Das waren noch Zeiten. "Die Urus" raunten Kommentatoren vom Schlage eines Heribert Faßbender mit bedrohlichem Unterton ins Mikro, und schon fröstelte es uns Zuhörer. An gemeine Tritte hinter dem Rücken der Schiedsrichter dachte man da, an wilde Grätschen und gebrochene Knochen, an Simulanten und Spielverzögerer. Das ist heute vorbei.

Uruguay war bis zum Achtelfinale ohne Gegentor geblieben, ein überzeugender Gruppenerster. Das lag vor allem an ihrer sicheren Defensive: frühes Stören, ein System das in den siebziger und achtziger Jahren Europa von Trainern wie Ernst Happel etabliert und seinerzeit meist Pressing genannt wurde. Bis heute gehört dieser Stil zum modernen Fußball, wenngleich er ordentlich Kondition voraussetzt.

Diese wohl sicherste Abwehr der Vorrunde traf nun auf eine der wackeligsten dieses Turniers: Bei den tapferen Südkoreanern weiß man gar nicht so genau, wie sie es wirklich in die Zwischenrunde geschafft haben. Zumindest kann man an diesem Team sehen, wie viel zwei wirklich exzellente Spieler – die Stars Park Jisung von Manchester United und Park Chuyoung vom AS Monaco – in einer eher durchschnittlichen Mannschaft bewirken können.

Park Chuyoung war es dann auch, der aus einer Standardsituation heraus die erste Großchance hatte, als er in der 4. Minute einen Freistoß an den linken Pfosten setzte. Doch das Uruguay-Pressing führte wenig später schon zum Erfolg: 8. Minute, Uruguays Regisseur Diege Forlan dribbelte auf der linke Seite, flankte flach vors Tor, Mittelstürmer Luis Suarez von Ajax Amsterdam traf: 1:0. Drei Abwehrspieler Südkoreas befanden sich grad im Tiefschlaf.

Den gesamten Rest der Halbzeit versuchten die Asiaten, Druck aufzubauen, um zum Ausgleich zu gelangen, doch die Südamerikaner ließen es nicht zu, erzeugten Gegendruck. Zu Beginn der zweiten Runde kam Südkorea mit neuem Schwung aus der Kabine und erspielte sich prompt zwei gute Chancen durch Park Chuyoung. Uruguay, vom hohen Tempo der ersten Halbzeit wohl etwas mitgenommen, war mehr in die eigene Hälfte gerückt.

Als Stärke der nun leicht dominierenden Koreaner stellte sich die unerwartete schnelle Kombination irgendwo in Tornähe heraus, meist unter Beteiligung eines der beiden Herren Park. Der Ausgleich für die Asiaten fiel jedoch nach einer Standardsituation, ein Freistoß in Strafraumnähe landete in der 68. Minute von einem Kopf der Uruguayer bei Lee Chuyoung, der für den Torwart der Südamerikaner unhaltbar einköpfte.

Uruguay, sichtlich geschockt, begann wieder das zwischenzeitig sträflich vernachlässigte Pressing. Daraus ergaben sich erste Halb-Chancen, darunter eine Ecke in der 80. Minute. Sie landete bei Mittelstürmer Luis Suarez in der linken oberen Strafraumhälfte. Und was der Mittelstürmer von Ajax Amsterdam dann daraus gemacht hat, ist wirklich viele Zeitlupen wert: ein wunderbar angeschnittener Ball in den rechten Winkel des südkoreanischen Tores: 2:1. Und dieses Ergebnis hielten sie bis zum Schlusspfiff.

Was bleibt von diesem Spiel? Ein Spitzenteam ist ins Viertelfinale gelangt. Neben der guten technischen und taktischen Positionierung zeichnete diese Mannschaft heute besonders der Siegeswille aus – gut zu erkennen daran, wie sie das zweite Tor gleich nach dem Ausgleich erzwangen.

Gegner Südkorea konnte in der zweiten Halbzeit endlich mal zeigen, wo sein Potenzial liegt. Was diese Mannschaft in der Zukunft stark machen kann, ist eine intensive Taktikschulung, besonders für die Abwehr und das defensive Mittelfeld. Im Ergebnis wird es dann auch weniger abhängig sein von Stars Park Jisung und Park Chuyoung.

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