Zum Glück ist die Vorrunde nun vorbei, und es beginnt endlich die Zeit der K.o.-Dramen, kann man nach diesem bleiernen Fußballspiel nur genervt aufstöhnen. Keine Tore, kein spielerischer Glanz, keine Spannung. Ein Nachmittag zum Vergessen. Sogar die sonst so freundlichen Südafrikaner im Stadion haben die Leistung am Ende mit Pfiffen quittiert.

Standen sich da nicht die Nummer eins und drei der Fifa-Weltrangliste gegenüber? Sollte das nicht die Spitzenbegegnung der Vorrunde werden? In Singapur ist gerade die Fußball-WM für selbstgebaute humanoide Roboter zu Ende gegangen. Zwei deutsche Universitäten standen im Endspiel. Man darf sicher sein, dass dort auch nicht schematischer gekickt wurde als in Durban.

Beide Mannschaften waren sich ihrer Qualifikation für das Achtelfinale sicher und schon vor dem Anpfiff mit einem Unentschieden zufrieden, und so haben sie auch gespielt: Rumpelfußball im Mittelfeld. Auf keinen Fall ein rasantes Dribbling riskieren. Bloß nicht den gegnerischen Strafraum betreten.

Nur der Turbogockel Christiano Ronaldo ist einige Male vor das brasilianische Tor gestürmt, wo sich ihm der unbezwingbare Lucio entgegen warf und (fast) immer Zweikampfsieger blieb. Der Brasilianer Fabiano hätte in der ersten Halbzeit ein Kopfballtor erzielen können und der Portugiese Meireles in der zweiten Halbzeit, als ihm ein Querschläger von Lucio im Strafraum vor die Füße rollte. Viel mehr Torchancen bot das Spiel nicht.

Zu den überraschendsten Szenen des Nachmittags gehörte die (nicht weiter schlimme) Verletzung des brasilianischen Torhüter Caesar, bei der man verblüfft feststellte, dass er erstens einen Rückenprotektor wie ein Motorradrennfahrer trägt, zweitens die Ärmel seines T-Shirts selbst zu kürzen pflegt und drittens nicht ohne fremde Hilfe in der Lage ist, ein neues Torwarttrikot überzustreifen.

Haben die Brasilianer, die ohne den gesperrten Kaká und ohne Robinho antraten, keine Lust, besser zu spielen oder können sie es nicht? Haben Lucios Mannen in der Todesgruppe nur ein Gegentor kassiert, weil die Abwehr so stark ist oder weil die gegnerischen Angriffsreihen so schwach waren?

Fangen die gelben Stürmer, wenn es ernst wird, doch noch an Samba zu tanzen? Präzise Antworten auf diese Fragen gibt es bald. Im Achtelfinale schlägt für Brasilien endgültig die Stunde der Wahrheit.

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