Der junge Fußballer sitzt an einem Tisch, trägt den DFB-Trainingsanzug und regt sich kaum. Es ist diese skurrile Atmosphäre im Medienraum des Mannschaftshotels, wo sich jeden Tag um die Mittagszeit einige Nationalspieler einfinden, sich auf den Sofas lümmeln und auf die vom DFB ausgewählten Reporter warten. Ein Journalist wird 20 bis maximal 30 Minuten auf einen Spieler losgelassen. Für Typen wie Schweinsteiger, Lahm, Butt oder auch Kießling ist das Business as Usual, Smalltalk und ein paar lustige Sprüche. Wer dem 21-jährigen Mesut Özil die Hand gibt, spürt nichts.

ZEIT ONLINE: Herr Özil, wie gefällt es Ihnen in Afrika?

Mesut Özil: Ich bin das zweite mal in Afrika. War schon mal da, wegen des Nutella-Spots.

ZEIT ONLINE: Wie ist Ihr Eindruck vom Gastgeberland?

Özil: Die Menschen sind hier sehr nett.

Mesut Özil redet leise. Zumindest mit Journalisten scheint er sowieso nicht gerne zu reden. Er schaut in den Raum. Wer ihm Fragen stellt, bekommt nicht viel zurück. Er ist ein knabenhafter Junge mit einem zarten, elfenhaften Gesicht, der da sitzt und der gleichzeitig die größte Hoffnung für die Zukunft des deutschen Fußballs ist.

Özil wuchs im Schatten des Parkstadions in Gelsenkirchen auf, spielte für RW Essen, Schalke 04 und seit zweieinhalb Jahren für Werder Bremen. Philipp Lahm sagt, Özils Fähigkeiten, den Ball zu bewegen, lernt niemand in den Fußballschulen des DFB. Die besonderen Tricks habe er sich im Fernsehen abgeschaut, sagt Özil, und dann im Affenkäfig, dem eingezäunten Bolzplatz nahe seines Elternhauses solange mit seinem älteren Bruder Mutlu geübt, bis sie wie selbstverständlich aussahen.

ZEIT ONLINE: Gegen Australien haben Sie ihre erste WM-Partie bestritten. Wie groß war die Aufregung?

Özil: Es ist eine Ehre, dass ich für Deutschland spielen darf. Das ist ein großer Kindheitstraum von mir.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie begonnen, von der deutschen Nationalmannschaft zu träumen?