"Hallo. I'm Chris Bevan in Cape Town" – um 9.27 Londoner Zeit begrüßte BBC-Blogger Chris Bevan seine Leser auf der Webseite des britischen Nachrichtenportals und stimmte die Sportfreunde auf den 17. Tag der Weltmeisterschaft ein. In lockerer Folge präsentierte er Hinweise, Kommentare und Spekulationen rund um die Achtelfinalbegegnung der beiden Teams. Begleitet von den Kommentaren seiner Fachkollegen und der Internetuser vertrieb Bevan seinem Publikum die Zeit bis zum Anstoß in Bloemfontein.

Um 14.54 englischer Zeit dann das: Die Teams sind im Stadion angetreten, die Hymnen erklingen. Bevan postet den Text. "Deutschland, Deutschland über alles, Über alles in der Welt; Wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält" ist da zu lesen. "Von der Maas bis an die Memel, Von der Etsch bis an den Belt, |: Deutschland, Deutschland über alles, Über alles in der Welt! :|", heißt es in Bevans Live-Blog – es ist die wegen des nationalistischen Untertons heute ignorierte erste Strophe der deutschen Hymne.

Zwei Minuten später folgt dann – politisch vollkommen unproblematisch – God save the Queen .

Was Bevan vielleicht nicht wusste: Das Verhältnis der deutschen zu ihrer Hymne ist wegen des Missbrauchs zur NS-Zeit zwiespältig. Entgegen weit verbreiteter Meinung sind die beiden ersten Strophen von Hoffmann von Fallerslebens Lied der Deutschen zwar nicht verboten. Doch oft erklingt die Hymne instrumental, gesungen wird höchstens die dritte Strophe.

Was der BBC mit den nationalistisch belasteten Versen unterlief, ist nicht die erste Panne dieser Art. Als die deutsche Mannschaft 2008 im letzten Vorrundenspiel der Europameisterschaft gegen die Schweiz antrat, blendete das Schweizer Fernsehen in den Untertiteln für Gehörlose die erste Strophe der deutschen Hymne ein. Zwei junge Kollegen hätten für die Übertragung den Text im Web aufgestöbert und ins Sendesystem kopiert, stellte der Sender SF2 die Sache später dar.

Auch außerhalb der Fußballwelt passierten ähnliche Missgeschicke: Die kostenpflichtige Applikation "National Anthems" (Nationalhymnen) für iPhone und iPod touch eines britischen Herstellers stellte alle drei Strophen des Deutschlandlieds dar. Besonders peinlich wurde es Ende 2009 im Berliner Schloss Bellevue: Der Liedermacher Stephan Krawczyk, einst erbitterter Kritiker des DDR-Systems, sollte für den kulturellen Rahmen sorgen, als der Bundespräsident Bundesverdienstkreuze überreichte. Als die Hymne dran war, stimmte Krawczyk "Deutschland, Deutschland über alles" an. Nach wenigen Worten gelang es Anwesenden, ihn zu unterbrechen.

Auch die, die es qua Amt wissen müssten, versagen ab und zu: 2006 druckte der CDU-Kreisverband Sächsische Schweiz auf der mehrseitigen Einladung für eine Veranstaltung zur Deutschen Einheit eine Dokumentation zur Geschichte des Deutschlandliedes, entnommen aus einer Veröffentlichung des Bundestages. Danach folgten alle drei Strophen, die dritte war gefettet gedruckt. Und da der Kreisverband die Dimension des Fauxpas auch noch herunterspielte, war die Einladungskarte danach bundesweit bekannt.

Blogger Bevans Fehler blieb nicht lange unbemerkt. Er habe die falsche Strophe genutzt, schrieb er in der siebenten Minute der Begegnung und entschuldigte sich: Er habe damit kein Ärgernis beabsichtigt.