Im Grunde hätte man das Spie l auch ausfallen lassen können. Oder wenigstens ein Ticket nach Durban für Otto Rehhagel besorgen. Die Tore in der parallel ausgetragenen Begegnung Südkorea - Nigeria jedenfalls waren für die Zukunft der griechischen Nationalmannschaft bei der WM 2010 von weit größerer Bedeutung als die eigene Performance im Spiel gegen Argentinien. Große Chancen versprachen sie sich offenbar ohnehin nicht. Und so taten die Griechen, was man eben tut, wenn man davon ausgehen muss, dass es gleich ordentlich was auf die Zwölf gibt: in Deckung gehen.

Defensivfußball allerdings ist selten übermäßig unterhaltsam. Und die Strategie, nahezu jeden Ballbesitz Lionel Messis mit einem Foul zu bedenken, wenig originell. Bei einer Pressekonferenz beklagte Trainer Diego Maradona später: "Es gibt einfach kein Fair Play mehr. Am liebsten wäre ich auf den Platz gelaufen und hätte was getan." Die Hand Gottes, zur rächenden Faust geballt – irgendwie hätte man das gerne gesehen. Aber dann gäbe es auch bald keinen argentinischen Trainer mehr, jedenfalls nicht am Spielfeldrand. Und das wäre schade.

Hätte Schiedsrichter Alberto Undiano die Begegnung am Mittwochabend in Polokwane gepfiffen, die Griechen hätten am Ende der ersten Halbzeit vermutlich nur noch zu acht auf dem Platz gestanden. Und Messi-Dauer-Decker Papastathopoulos mit einem Bein im Knast.

Spieler wie Tévez und Higuaín hatte Maradona dabei sogar auf der Bank sitzen lassen, stattdessen Milito und Aguero auf den Platz gestellt – wobei auch die argentinische Reserve keine zweite Wahl ist. Sehr schön stellte das vor allem Martín Palermo unter Beweis. Aber dazu später.

In der ersten Halbzeit bewährte sich die griechische Abwehrstrategie, obwohl sich die argentinische Elf mit Trikots in hellenischem Blau raffiniert um Tarnung bemüht hatte. Torchancen von Aguero, Verón und Bolatti blieben ohne Ergebnis. Hin und wieder machte Georgios Samaras vor dem argentinischen Tor eine gute Figur, scheiterte aber mit seinen einsamen Versuchen, dem griechischen Spiel eine angriffslustigere Wendung zu geben. Dafür schoss in der 77. Minute Demichelis Argentinien in Führung.

Rehhagel hatte in Anbetracht des wenig begünstigenden Spielstands in Durban bereits alle Auswechselmöglichkeiten erschöpft, als Maradona Martín Palermo ins Spiel brachte – eine Gelegenheit, die Kommentator Béla Réthy nutzte, um auf die erratischen Neigungen des Trainers hinzuweisen. Und auf dessen vermeintlichen Hang zum Sippentum. Palermo und Maradona kennen einander seit Jahren. Palermo ist 36 Jahre alt. Nun.

Dass ausgerechnet er in der 89. Minute für Argentinien das zweite Tor schoss, ist eine hübsche Pointe. Sie zeigt, dass auch Entscheidungen zielführend sein können, deren Sinn sich der Allgemeinheit nicht auf Anhieb erschließt. Und dass es an der Zeit ist, die Diskussion darüber, ob Argentinien wegen oder trotz Maradona bei dieser Weltmeisterschaft bisher als einzige Mannschaft mit neun Punkten die Vorrunde verlässt, jetzt auch mal aufhören kann. Sie nervt nämlich. Sehr.

Ihren Einzug ins Achtelfinale feierten die Argentinier wie üblich mit viel Fummeln vor der Bank, wobei Maradona am Mittwoch auch den griechischen Mannschaftskapitän mit einem Kuss bedachte, der sichtlich eher mit der Hand als den Lippen Gottes gerechnet hatte.

Minuten nach dem Abpfiff twitterte der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho: "Der Schmerz von gestern ist die Kraft der Krieger des Lichts. Bravo Maradona." Krieger des Lichts. Naja. Coelho halt. Aber inhaltlich eine 1-a-Analyse der argentinischen Vorrundenbilanz.

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