Es gibt Spiele, die sind wie zwei Bier, eine Packung Chips und eine Folge Pirates ot the Caribbean . Mächtig was los, jeder bekommt was auf die Mütze und doch tut es keinem wirklich weh, und am Ende gehen alle satt und zufrieden nach Hause. Das Spiel Spanien gegen Chile war rasant, aufregend, abwechslungsreich, voller Finten und Volten, angemessene Freitagabendunterhaltung eben.

Meine chilenischen Rojos zeigten von Anfang an große Entschlossenheit, sich die Seele aus dem Leib zu laufen. Sie griffen an, wo sie nur konnten, jagten jedem Ball hinterher, kultivierten ihr intensives Flügelspiel, ganz so, wie es ihnen ihr sagenumwobener Trainer Marcelo Bielsa, ehemaliger argentinischer Nationalcoach, eingebläut hatte. Was soll man auch machen, wenn auf der einen Seite der Europameister Spanien steht und auf der anderen die laut ZDF-Kommentator Béla Réthy "kleinste Mannschaft der WM" (wir wollen ihm dies gerne glauben, zum einen, weil wir nicht nachgemessen haben, zum anderen, weil er ohnehin von genauesten Körpergrößeangaben besessen zu sein scheint).

Und doch fand Spanien erst nach dem ersten Tor zu Überlegenheit. Chiles Torwart Claudio Bravo wagte sich weit aus seinem Tor, um den Angriff von Fernando Torres abzufangen, spielte den Ball allerdings nicht ins Aus, sondern direkt vor die Beine des Meisterschützen David Villa, der seine Chance nutzte: Der Ball flog aus rund 30 Metern Entfernung ins leere chilenische Tor.

Dann das zweite Tor für Spanien: Der allgegenwärtige Andres Iniesta schob den Ball aus dem Hinterhalt ins chilenische Tor. Als ob das nicht genug gewesen wäre, bekam der chilenische Mittelfeldspieler Marco Estrada im Anschluss die Gelb-Rote Karte. Unmittelbar vor dem Treffer hatten sich die Laufwege von Torres und Estrada gekreuzt, der Spanier kam dabei zu Fall. In der Zeitlupe sieht es ganz so aus, als sei Estrada Torres eher aus Unachtsamkeit als böser Absicht in die Haken getreten, doch wollte der mexikanische Schiedsrichter Marco Rodriguez wohl die Nachsicht wettmachen, die er bei einem vorherigen Foul Estradas gezeigt hatte.

Chiles Nationalcoach Marcelo Bielsa machte zu all dem ein Gesicht, als plane er kleine spanische Kinder oder wahlweise unbotmäßige chilenische Nationalspieler zum Frühstück zu verspeisen. Unruhig wie ein Tiger im Käfig lief er die Seitenlinie auf und ab. Gut möglich, dass er sich das im Zoo abgeschaut hat, schließlich ist er bekannt dafür, sich dort Inspiration für seine ungewöhnlichen Trainingsmethoden zu holen.

In der zweiten Halbzeit – die Rettung. Der eben eingewechselte Rodrigo Millar schoss ein wunderschönes Tor für die Chilenen. Die schienen sich zu Ende mit diesem Ergebnis abgefunden zu haben, vielleicht waren sie mittlerweile auch einfach zu müde von der Lauferei. Vielleicht ahnten sie auch, dass den Schweizern im Parallelspiel gegen Honduras kein Treffer mehr gelingen würde. Auch die Spanier wollten offensichtlich niemandem mehr wehtun, schließlich sollten sich auch ihre hispanischen Brüder für das Achtelfinale qualifizieren  – das erste Mal seit 1998. Adelante, hermanitos! Und feiert schön!

Die WM-Paten: Jedes teilnehmende Land bekommt einen Paten aus den Redaktionen von ZEIT ONLINE, ZEIT oder extern. Die Paten porträtieren die Länderteams und schreiben subjektive Spielberichte zu den Partien ihres Teams.