Nachdem die WM sehr schleppend begann, hat sie inzwischen Fahrt aufgenommen. Hatte die Qualität der Spiele bereits nach dem ersten Vorrundenspieltag deutlich zugenommen, erlebten die Achtelfinalpartien im Hinblick auf Spannung, Taktik und Intensität noch eine Steigerung. Ausnahmen wie das langweilige Japan gegen Paraguay waren in den K.o-Runden der Turniere 2006 und vor allem 2002 die Regel.

Großer Gewinner ist bislang Südamerika. Fünf Teilnehmer, vier davon haben das Viertelfinale erreicht, selbst ein rein südamerikanisches Halbfinale ist möglich. Mit Ausnahme Chile von den Spaniern wurden Südamerikas Mannschaften von Nationen aus anderen Kontinenten noch nicht bezwungen.

Turnierfavorit bleibt Brasilien, das eine starke Abwehrkette um den früheren Bayernspieler Lucio hat und sehr athletisch spielt. Zudem hat Trainer Carlos Dunga, der in der Heimat ungeliebte "Wertarbeiter" ( Spiegel ), seinem Team eine hervorragende Ordnung beigebracht, aus der es schnell und direkt nach vorne spielt. Die Klage, Brasilien spiele zu "europäisch", zu "deutsch", ist eine Gebetsmühle. Wann hat Brasilien nach den frühen Achtzigerjahren "brasilianisch" gespielt?

Ein weiterer Titelkandidat, das technisch hochveranlagte Argentinien, ist schwer einzuschätzen. In der Vorrunde hat sich die Mannschaft gegen eher schwächere Gegner keine Blöße gegeben. Im Achtelfinale gegen Mexiko halfen ihr Aussetzer des Gegners und des Schiedsrichters. Ob es zum WM-Sieg reicht, wird auch davon abhängen, ob sich Superstar Lionel Messi seiner Barcelona-Form nähern wird. Aber auch davon, wie die Abwehr auf Tempoangriffe des Gegners reagiert.

Uruguay und Paraguay sind sehr gut organisierte Mannschaften, zudem hat Uruguay zwei gute Stürmer: Diego Forlán und Luis Suárez. Alleine Chile ist nach der Niederlage gegen Brasilien nicht mehr im Tableau. Sie hatten Pech mit dem Los, man hätte dieses ungewöhnliche Team gerne gegen andere Gegner als Spanien und Brasilien spielen sehen. Die Taktik ihres Coachs Marcelo Bielsa, ein enorm aktives Pressing mit nur drei Verteidigern, war interessant zu beobachten, wirkte aber einen überambitioniert und unfertig.

Europa hingegen weißt eine schwache Bilanz auf, drei große Fußballnationen erlebten eine Schmach. Italien und Frankreich, zwei der drei vergangenen Weltmeister, sind in der Vorrunde ausgeschieden. Die Italiener vergaßen, den Siegerkader von 2006 genügend aufzufrischen, und dem Team fehlte die Phantasie; Frankreich mangelte es an Disziplin, Teamgeist und Ehre. Dem angeblichen Mutterland England konnte auch ein italienischer Trainer keine moderne Taktik beibringen.