Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Spuckattacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler im WM-Achtelfinale gegen die Niederlande. Der Rudi  ist ohne Grund vom Platz gestellt worden, das war schon eine verrückte Situation: Der Rijkaard hat gespuckt und anschließend sahen beide die Rote Karte.

Der argentinische Schiedsrichter Juan Loustau hat es wohl so ausgelegt, dass Rudi provoziert hat. Ich stand ungefähr 20 Meter entfernt. Als die beiden vom Platz gegangen sind, habe ich genau gesehen, wie Frank Rijkaard Rudi noch einmal hinterher gespuckt hat. Das war unglaublich. Ich konnte es nicht fassen und habe mich maßlos geärgert.

Wir Spieler haben uns erstmal nur angeschaut. Viele haben den Kopf geschüttelt. Die in der Nähe des Schiedsrichters standen, sind zu ihm hingelaufen. Aber lamentieren bringt nichts. Ich hätte eh nicht gewusst, was ich dazu sagen sollte. Mir war nur klar: Jetzt müssen wir für Rudi spielen. 

Eigentlich hätte man denken können, dass die Partie nach den beiden Platzverweisen aggressiver wird. Das war aber nicht der Fall. Wir sind nur noch mehr gelaufen als vorher. Ich glaube, jeder von uns hat diesen unbedingten Siegeswillen gespürt, der am Ende belohnt wurde.

Der DFB hat nach dem Spiel Widerspruch bei der Fifa gegen die Entscheidung des Schiedsrichters eingelegt. Rudi sollte nachträglich freigesprochen werden. Die Fifa machte die Entscheidung aber nicht rückgängig. Dabei zeigten die Fernsehbilder eindeutig, dass Rudi unschuldig war. 

Diese ungerechte Behandlung hat die Mannschaft noch stärker zusammen geschweißt. Jeder ist für den anderen gelaufen und hat sich voll reingekniet. Wir waren nicht nur spielerisch sondern auch konditionell das beste Team des Turniers.

Frank Rijkaard war damals einer der besten Fußballer der Welt. Eigentlich hatte er so eine unfaire Aktion nicht nötig. Später hat er sich bei Rudi Völler entschuldigt. Damit war die Sache erledigt. Am Ende sind wir Weltmeister geworden. Da fiel es uns nicht schwer, Rijkaard zu verzeihen.

Aufgezeichnet von Christoph Heymann

Von 1954 bis 2006: In "Mein WM-Erlebnis" berichten frühere und aktuelle Fußball-Größen über ihr ganz persönliches Erlebnis während einer Weltmeisterschaft.

Morgen: Andreas Möller über einen Stinkefinger während der WM 1994

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