Es gab während der WM 2006 viele unglaublich schöne Erlebnisse. Am beeindruckendsten aber war, als wir zum Spiel um Platz drei nach Stuttgart gekommen sind. Ich will ehrlich sein: Ein Spiel um den dritten Platz habe ich mir vorher sehr, sehr selten angeschaut. Wir waren alle noch enttäuscht vom Halbfinale gegen Italien, das wir in der Verlängerung 0:2 verloren. Wir wollten doch unbedingt ins Finale. Es war sehr bitter, dann in der 119. Minute, das Gegentor zu bekommen. Man sieht ja auch im Film Deutschland. Ein Sommermärchen , wie danach die Stimmung in der Kabine war.

Sich da noch einmal zu motivieren, ist nicht leicht. Und dann kommen wir nach Stuttgart. Ich glaube, unser Bus hatte zwei Stunden Verspätung. Es gab einen Platzregen, es hat geschüttet ohne Ende und trotzdem haben, ich tippe mal, 15.000 Fans vor unserem Hotel gewartet und uns zugejubelt. Das haben wir nicht erwartet. Das war ein unglaubliches Gefühl.

Unten wurden die Straßen abgesperrt. Wir waren dann abends um zehn Uhr oben bei den Physiotherapeuten, und die Leute haben draußen immer noch bis in die Nacht hinein gesungen. Das war Wahnsinn, das muss man wirklich sagen. Das hat uns noch mal die Motivation gegeben, so ein gutes Spiel um Platz drei hinzulegen, das wir 3:1 gegen Portugal gewannen.

Man muss auch sagen: Bei diesem Turnier hat einfach alles gepasst. Das Wetter war von Anfang bis Ende sensationell. Die Mannschaft hat erfolgreich gespielt und es blieb friedlich. Die Fans und Medien haben uns getragen, da kamen mehrere Sachen zusammen.

Für mich war es natürlich auch ein super Start ins Turnier. Das war schon etwas ganz Besonderes: Das Eröffnungsspiel einer Weltmeisterschaft in meiner Heimatstadt München, und ich habe ein Tor geschossen. Ich schieße im Schnitt bei der Nationalmannschaft etwa alle zwei Jahre ein Tor. Wir haben dann 4:2 gegen Costa Rica gewonnen, die Leute haben sechs Tore gesehen.

Wir haben natürlich mitbekommen, was da für eine Euphorie im Land entstanden ist. Wenn wir nach den Spielen in den Bus gestiegen sind und die Fans standen Spalier, links und rechts. Es hat uns sehr geholfen, dass die Fans da waren. Egal, wo wir hinkamen, es war überall so eine Stimmung, wie ich sie noch nie erlebt habe. Wenn ich nur an das Tor gegen Polen denke, wo wir kurz vor Schluss das Spiel entscheiden. Das Stadion ist ja fast auseinander gebrochen. Wahnsinn!

Aufgezeichnet von Christian Spiller

Von 1954-2006: In "Mein WM-Erlebnis" berichten frühere und aktuelle Fußball-Größen über ihr ganz persönliches Erlebnis während einer Weltmeisterschaft.


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