Am Donnerstagabend in Polokwane trug der Fußballgott einen Sombrero und ein grünes Trikot. Mexiko gewann gegen den Vize-Weltmeister Frankreich klar und verdient. Während die Mexikaner schon mal das Hotel fürs Achtelfinale buchen können, fährt die einst so ruhmreiche Équipe tricolore vermutlich nach Hause.

Die Franzosen, diese Ansammlung von Weltklassespielern, haben in 180 WM-Minuten kein einziges Tor geschossen und nur einen Punkt geholt. Der Marktwert der Mexikaner ist in Summe fünfmal niedriger. Sie aber verkörpern das, was den Franzosen fehlt: Leidenschaft, Temperament, Teamgeist. Mexiko rannte, grätschte und applaudierte sich selbst, auch nach misslungenen Pässen. Die Franzosen dagegen flanierten selbst im Rückstand über den Platz, träge wie beim Bummel an der Côted'Azur. Keiner bäumte sich auf, keiner wusste, was der andere vorhatte. Elf feurige Kämpfer in Grün standen elf Diven in Blau gegenüber.

Man weiß von der giftigen Stimmung in Frankreichs Fußball-Öffentlichkeit, vom Streit zwischen Medien und Trainer, zwischen Politik und Mannschaft, zwischen Mannschaft und Trainer und nicht zuletzt zwischen Mannschaft und Mannschaft selbst. Aus dem Trainingscamp der Mexikaner hört man nur Fröhliches. Ihre vielen mitgereisten Fans waren so laut, dass sie sogar die Vuvuzelas übertönten.

Folgerichtig der Spielverlauf: Frankreich gelang in der ersten Hälfte kein einziger Schuss aufs mexikanische Tor. Chancen hatten sie allenfalls durch Standardsituationen, die Franck Ribéry aber stets in die Mauer oder die Arme des Torwarts flogen. Wie so oft im Trikot der Tricolore war es nicht das Spiel des Franck Ribéry. Der Bayern-Star musste missmutig den Spielmacher geben, sein Trainer wollte es so. Ribéry wirkte merkwürdig unkreativ.

Dennoch war das Spiel schnell und schön. Was vor allem an den Mexikanern lag. Schon in der ersten Hälfte spielten sie sich vier, fünf feine Gelegenheiten heraus. In der 63. Minute war es dann so weit. Nach einem Lupfer aus dem Mittelfeld tanzte Hernandez Frankreichs Torwart Lloris aus, herrlich! Die französische Abwehr, einst Garant für Titel, hüftsteif wie ein altes Baguette.

15 Minuten später gönnte sich Abidal ein Frustfoul im Strafraum. Den Elfmeter verwandelte Mexikos Altstar Cuauhtemoc Blanco stramm und präzise – 2:0. Blanco, 37 Jahre, spielt nur mehr in der zweiten mexikanischen Liga, für die Franzosen reicht es an diesem Tag. Nach zehn Minuten Tempofußball schnaufte er gewaltig, wird aber trotzdem von seinen jungen Mitspielern, viele von ihnen U19-Weltmeister, respektiert und verehrt. Ähnlich wie der erfahrene, kräftige Keeper Perez, der zu Beginn der zweiten Hälfte mit einer prächtigen Parade Frankreichs einzige kurze Drangphase beendete .

Mexiko wird weit kommen. Man denke an die Habanero-These vom Auftaktspiel: Je länger im Turnier, umso schärfer. Im Achtelfinale wollen sie Argentinien aus dem Weg gehen und müssen deshalb das letzte Gruppenspiel gegen Uruguay gewinnen. Ein Nicht-Angriffspakt gegen die Treter vom Rio de la Plata ist ohnehin kaum vorstellbar.

Frankreich muss das alles nicht mehr interessieren. Mit dieser Einstellung verlieren sie auch gegen Südafrika. Fraglich, ob Raymond Domenech dann noch Trainer ist. Das Spiel gegen Mexiko verfolgte er bereits mit spöttisch süffisantem Blick. Seinen langjährigen Kapitän Thierry Henry ließ er erst auf der Bank Platz nehmen, um ihn dann 30 Minuten warmlaufen zu lassen – umsonst. Auf der Pressekonferenz hinterher wusste er dazu und zu allem anderen nichts zu sagen.

In Paris buhte man Domenech nach dem Spiel minutenlang aus. Adieu, les Bleus!

Viva Mexico!

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