Es sind bei dieser Weltmeisterschaft schon recht viele Weltstars ausgeschieden (Ribery, Ronaldo, Rooney). Es gibt einen Weltstar, der noch kein Tor geschossen hat (Messi) und einen neu entdeckten Weltstar gibt es noch nicht (nein, auch Müller nicht). Und deshalb wird das Prinzip der Mannschaft gelobt: Die Mannschaft muss sich mögen und sich kennen, will sie erfolgreich sein. Als Beispiel hierfür wird neben Deutschland vor allem auch Spanien genannt, das gerade Portugal besiegte.

Wenn es stimmt, dass sich die spanische Nationalelf besonders gut versteht, dann ist das sehr eigenartig, denn nur wenige Stunden bevor Spanien siegte, hat das spanische Verfassungsgericht den Katalanen verboten so unabhängig zu sein, wie sie es gerne sein wollen. Sie wollen gerne eine eigenständige Nation sein, dürfen es aber jetzt nicht.

Das wäre ungefähr so, als wäre am Tag des England-Spiels entschieden worden, dass das Bundesland Bayern doch nicht loskommt von Deutschland (und dass es damit auch nicht seine eigene Nationalmannschaft zu künftigen Weltmeisterschaften senden darf). Dass Katalonien die Qualifikation auch alleine schaffen würde, daran muss man kaum Zweifel haben, denn der Katalonienanteil in der spanischen Mannschaft ist noch größer als der Bayernanteil in der deutschen. Xavi, Piqué, Capdevila, Puyol, sie alle gehören zu dieser Minderheit, die sich mal soeben abspalten wollte, aber dann doch nicht konnte (im vorigen Dezember hat die katalanische Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien 4:2 gewonnen, nur mal so).

Für die Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens ist das also ein doppelt schwarzer Tag. Erstens das Urteil und dann ein Sieg gegen Portugal, der nur beweist, wie gut königstreue Spanier und Katalanen harmonieren. Viel besser, um ein Beispiel zu nennen, als etwa die Engländer, die die Spielstile der großen Mannschaften in London, Liverpool und Manchester nicht zusammen kriegen.

Ja, die Engländer, ruft meine Freundin, deren Vater Katalane ist und die mit Katalonien sympathisiert (und mit Spanien und mit Deutschland, das geht), das sei doch ein schönes Beispiel: die und die Schotten dürften doch auch getrennt spielen.

Vielleicht kommt es anders, wenn Gesamtspanien noch ein bisschen weiterkommt (wofür der nächste Gegner spricht, Paraguay!, und auch die Spielweise nach dem 1:0 des David Villa in der 58. Minute. In den 35 Minuten danach kamen die Portugiesen zu nichts mehr): England, Nordirland, Schottland und Wales könnten einen Antrag auf fußballerische Vereinigung stellen.

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