Die Menschen trafen sich in Bettzeug oder in irgendeine afrikanische Flagge gekleidet. Einige hundert mögen es gewesen sein, auf einer Kreuzung in einem abgelegenen Teil Pretorias. Sie sprangen, sangen, umarmten sich. Ghana, das letzte im Turnier verbliebene Land Afrikas hatte sich gerade ins Viertelfinale gespielt.

Eine ältere Frau zog ihren Pantoffel aus, schoss ihn die Straße hinunter und stellte sich zwischen die Pfähle eines Werbeschildes. Die Männer tröteten. Die Frauen in Schlafanzügen schrieen und wirbelten den Pantoffel wie einen Fußball über den Asphalt. Jedes Mal wenn der Schlappen die Linie zwischen den Pfählen überquerte, sprangen sie in die Luft. Die Torfrau bewegte sich wie Oliver Kahn. Es war eine Szene wie in die Nacht gemalt.

20 Tage ist die Fußball-Weltmeisterschaft nun alt. 55 Spiele sind gespielt, etliche Tore geschossen und mehr als eine sportliche Analyse geschrieben. Es gab organisierte Fan-Feste und spontane Feiern wie die auf Pretorias Straßenkreuzung. Die PR-Botschafter der Fifa sprechen von einem großen Erfolg für den Fußball und für Afrika. Aber, wenn es den Erfolg denn gibt, wie fühlt er sich an? Was denken jene über das größte Sportfest der Welt, für die Afrika Zuhause und Heimat ist?

Als Reporter kann man nach drei Wochen Südafrika keine Gewissheit für ein Urteil über diese WM erlangen. Was bleibt, ist eine Ahnung von dem, was der Fußball mit den Menschen macht.

Joseph Takudzwa Maramba kommt aus Simbabwe und lebt seit etwa einem Jahr in Pretoria. Für die WM-Zeit hat er sich als Fifa-Volonteer beworben. Sie haben ihn nicht genommen. Vielleicht weil es viel mehr Bewerber als Stellen für die unbezahlten Jobs gab. Vielleicht weil er kein Südafrikaner ist. Er hat Journalismus studiert und arbeitet nun in einer der zahlreichen Einkaufspassagen als Manager eines Fastfood-Restaurants. Es heißt Chicken Licken und sieht genauso aus. Hinter dem Tresen liegt seit drei Wochen ein schwarzes langes geschwungenes Rohr. Eine Kuduzela, ein Blasinstrument, das noch tiefere Geräusche macht als die meisten Vuvuzelas. Als das südafrikanische Team im ersten Spiel das Tor traf, trötete Joseph so laut in seine Kuduzela, dass seiner Kollegin das Hühnchenfleisch vom Burger fiel.