Es ist ja in dieser Weltmeisterschaft sehr viel von Druck die Rede. Warum war Südafrika so erfolglos? Warum verliert Nordkorea 0:7 gegen Portugal? Warum wälzen sich der slowakische Torwart Jan Mucha und der Italiener Fabio Quagliarella minutenlang im Netz? Druck. Ganz klar.

Ich habe in dieser Woche schon dreimal von Fußball geträumt. Wirres Zeug, nach dem ich jedes Mal morgens völlig zerschlagen aufgewacht bin. Zwei Wochen WM fordern langsam ihren Tribut.

Beim Mittagessen diskutieren die Kollegen über verschiedene Möglichkeiten des Aggressionsabbaus, ich atme tief in mein Blumenkohlgericht. Ich sollte mal wieder zum Yoga gehen. In vier Stunden ist Wochenende. Ommmm.

Bis vor Kurzem habe ich nicht viel über den Zusammenhang von Yoga und Fußball nachgedacht. Doch dann las ich, was der Psychologe der Nationalelf, Hans-Dieter Hermann, in unserem WM-Tagebuch schrieb . Er schrieb nämlich, dass er es leider selten schaffe, in Südafrika die großartigen Yoga-Stunden für die Betreuer und Trainer zu besuchen.

Eigentlich hatte ich gedacht, das Yoga-Training der Nationalmannschaft sei nach der Ära Klinsmann ebenso entsorgt worden wie die Buddha-Statuen beim FC Bayern. Weit gefehlt. Es gibt inzwischen sogar getrennte Yoga-Angebote für Trainer und Mannschaft. Verständlich. Wer will schon gemeinsam mit seinem Chef den "Frosch" oder den "nach unten schauenden Hund" praktizieren?

Ob Yogi, äh, Jogi Löw auch selbst trainiert? Eine kurze Google-Suche ergibt, dass dies eine heiß diskutierte Frage in deutschen Yoga-Foren ist. Im Vorfeld der WM sei Löw "nicht den Weg eines Yogi gegangen", bemängelt "Herbert" auf yogapad.de . "Da ist mir u. a. zu viel Materialismus dahinter." Hmm, ja, da ist was dran. "ShivaDiva" sagt auch: "Ich bezweifle, dass er sich näher damit auseinandersetzt." Nach den Wasserflaschen-Würfen im Serbien-Vorrundenspiel muss ich sagen: ich auch.

Egal, die Hauptsache ist, dass die deutsche Mannschaft die yogischen Prinzipien verinnerlicht hat. Einfach mal loslassen. Hin und wieder gehen ein paar Bälle hops wie im Spiel gegen Ghana, aber die deutsche Elf behält im Gegensatz zu den flach atmenden Fans vor den Fernsehern die Nerven. Und schießt dann eben doch noch das Tor.

Und was ist jetzt mit Portugal und Brasilien? Die beiden sind ohnehin schon so gut wie gesetzt. Ich beschließe, mich erst einmal um das eigene Seelenheil zu kümmern und fahre zum Yoga.