Italien

Forza Italia! © Patrick Hertzog/AFP/Getty Images

Eine englische Fußballwarnung lautet: " You can never write the Germans off !" Dasselbe gilt für Italien. Wie die Deutschen sind auch die Italiener WM-Stammgast – immer gut für den Titel, dabei selten brillant zu Beginn des Turniers.

Seit 1966 verfolge ich Fußballweltmeisterschaften. Die drei spektakulärsten Partien waren italienische Spiele. 1966 in England eliminierte ein Tor des Nordkoreaners Pak Doo Ik das Starensemble um Rivera, Mazzola, Facchetti. Alle drei schafften es dennoch ins WM-Finale – vier Jahre später in Mexiko, nach dem epischen Halbfinal-4:3 gegen die Bundesrepublik. Im Endspiel freilich waren die entkräfteten Azzurri nur ein Schlachtopfer für Brasilien, das aber auch noch sein azurblaues Wunder erleben sollte: 1982 in Spanien, im wohl besten WM-Spiel aller Zeiten. Sieglos, mit drei Unentschieden, war Italien in die Zwischenrunde gerumpelt. Brasilien hatte dreimal triumphiert. Um alsdann den Italienern 2:3 zu unterliegen, nach drei Treffern des bis dato als Totalversager verlachten Paolo Rossi. Im Finale schossen Rossi, Tardelli, Altobelli Italien zum Titel gegen eine widerliche bundesdeutsche Elf, deren Gijoner Schandspiel mit Österreich so unvergessen bleibt wie Torhüter Schumachers Knochenbrecher-Foul am Franzosen Battiston.

Lang ist´s her. Deutsche wie Italiener haben seither ein weiteres WM-Finale gewonnen, 1990 und 2006. Ach ja, Italien ist der amtierende Weltmeister. Man denkt das in Deutschland ungern, nicht nur weil Marcello Lippis Truppe 2006 das schwarzrotgoldene Sommermärchen beendete. Die Endspielpöbeleien des Mailänder Stoppers Materazzi gegen Zidane, die zu dessen Kopfstoß, Platzverweis und Frankreichs Niederlage führten, verdunkelten die Aura der Campioni del Mondo ebenso wie der italienische Fußball-Korruptionsskandal, zu dem auch die allzu milden Urteile gehörten. Immerhin musste Dauermeister Juventus Turin sich für ein Jährchen in der Serie B vergnügen und bekam zwei Meistertitel aberkannt.

Nach der WM 2006 trat Trainer Lippi zurück. Sein Nachfolger, der Alt-Nationalspieler Roberto Donadoni, amtierte unglücklich und wurde nach der ruhmlosen EM 2008 entlassen. Lippi kehrte zurück, wird aber nach der WM 2010 abermals demissionieren (dann übernimmt Cesare Prandelli, derzeit AC Florenz). Italien spielte eine behäbige Qualifikation, tat das Nötigste, um vor Irland seine Gruppe zu gewinnen und hätte fast das letzte Heimspiel gegen Zypern versemmelt. Die Mannschaft ist alt, im Durchschnitt gut einunddreißig Jahre, was Italiens rationalen, sicherheitsbetonten Stil (im 4-3-1-2-System) auch bei diesem Turnier garantieren dürfte.

Alle WM-Teams im Porträt unserer Paten © Mark Kolbe/Getty Images

Zehn Weltmeister von 2006 reisen nach Südafrika. Milans Strategen Pirlo, Zambrotta, Gattuso sind in die Jahre gekommen und müssen nachlassende Spannkraft immer öfter durch Routine kompensieren. Abwehrchef Cannavaro, nun 36, spielte mit seinen Juventus-Kollegen Grosso, Iaquinta, Camoranesi eine schaurige Saison, die auch Italiens Torwartdenkmal Buffon nicht unbeschädigt ließ. Dennoch zählt Buffon zu Italiens Hoffnungsträgern, wie das römische Mittelfeldkraftwerk de Rossi (26) und Udines Stürmer di Natale (29). Der Torschützenkönig der Serie A (29 Treffer) hat auch für die Squadra Azzurra schon des Öfteren die Maroni aus dem Feuer geholt.

Italien Weltmeister 2010? Wohl kaum. Indes … Siehe Einleitung.