Michael Ballack will sich in der Frage um das Kapitänsamt in der DFB-Elf auf keine Diskussionen einlassen. "Ich bin immer noch Kapitän der Nationalmannschaft", sagte der 33-Jährige während seiner Präsentation bei Bayer Leverkusen. "Es ist ja auch kein Wunschkonzert, dass jeder Spieler sich wünschen kann, wo er spielt – und genauso ist es in der Kapitänsfrage", sagte Ballack. "Es gibt Hierarchien und Ordnungen."

Der Streit um das wichtigste Amt innerhalb der Nationalmannschaft war während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ausgebrochen. Philipp Lahm hatte den verletzten Ballack als Kapitän vertreten und vor dem Spiel gegen Spanien angekündigt, die Binde nicht freiwillig abgeben zu wollen. "Die Rolle des Kapitäns macht mir sehr viel Spaß. Ich habe Freude daran. Wieso sollte ich das Amt dann freiwillig abgeben?", hatte der Spieler vom FC Bayern München gesagt.

Diese Äußerungen sorgten für einige Unruhe im DFB-Team. Sowohl Manager Oliver Bierhoff als auch Lahms Vereinskollege Bastian Schweinsteiger hatten den 26-Jährigen kritisiert. Bundestrainer Joachim Löw hatte sich bedeckt gehalten. Jeder seiner Spieler könne sagen, was er wolle. Allerdings wies er Lahm darauf hin, dass diese Entscheidung allein beim Trainer liege.

Dies sieht offenbar auch Ballack so. "Wenn das der Philipp anders sieht, dann sollte er zum Trainer gehen", sagte er. "Der Trainer wird das dann entscheiden." Der Routinier kündigte auch ein klärendes Gespräch mit Lahm beim nächsten Treffen an. "Ich werde mit dem Philipp noch das ein oder andere Wort sprechen. Ich werde es kurz anschneiden, dann ziehen wir an einem Strang und haben neue Ziele, die wir angehen."

Lahms Äußerungen in Bezug auf das Amt, vor allem aber der dafür gewählte Zeitpunkt unmittelbar vor dem WM-Halbfinale gegen Spanien seien jedoch "unpassend" und "diskussionswürdig" gewesen, sagte Ballack.

Bei seinem neuen Verein Bayer Leverkusen, wo Ballack bereits zwischen 1999 und 2002 gespielt hatte, bekommt er die Kapitänsbinde allerdings nicht. Trainer Jupp Heynckes stellte klar, dass Mittelfeldakteur Simon Rolfes das Spielführeramt behalten werde. Abwehrspieler Manuel Friedrich bleibe dessen Stellvertreter.

Die Rückkehr in die Bundesliga begründete Ballack mit emotionalen und sportlichen Gründen. "Es war wichtig für mich, wieder um die deutsche Meisterschaft mitspielen zu können." Die ersten Gespräche zu einem Wechsel seien beim Abschiedsspiel von Bernd Schneider im Mai geführt worden. 

Der 33-Jährige wechselt vom FC Chelsea ins Rheinland und hofft nach seiner Verletzung auf eine schnelle Rückkehr: "Ich versuche, in den nächsten Tagen mit dem Lauftraining zu beginnen." Am ersten Bundesliga-Spieltag im August will Ballack wieder auf dem Platz stehen.