Vereinsmannschaften sind besser eingespielt als Nationalmannschaften. Daher sind, rein sportlich betrachtet, Weltmeisterschaften nicht so interessant wie die Champions League und die nationalen Ligen. Dennoch hat die WM 2010 einen spielerisch hochwertigen und gerechten Sieger gefunden: Spanien. Kein Zufall, denn die Elf besteht großteils aus Profis des FC Barcelona, des stilprägenden Vereins des vergangenen Jahrfünfts. Deutschland ist gegen Barcelona minus Messi ausgeschieden.

Wir haben ein gutes Turnier erlebt, gerade wenn man es mit den beiden vorigen vergleicht. Die Spanier haben sich zum Ende hin gesteigert, ihren Kombinationen zuzusehen, erfreut die Ästheten. Deutschland hat der Fußballwelt Höhepunkte gegen England, Argentinien und Australien beschert, dabei sechzehn Tore geschossen.

Uruguay hat im Angriff dynamisch gespielt und herrliche Treffer erzielt. Ghana war für Spannung und Drama zuständig, Argentinien zumindest unterhaltsam. Mexiko und Chile bereicherten das Turnier, obwohl sie im Achtelfinale ausschieden, mit offensiver Ausrichtung. Holland schoss immerhin das schönste Tor: das 1:0 Giovanni van Bronckhorsts gegen Uruguay aus nahezu vierzig Metern.

Taktische Trends werden an Weltmeisterschaften nicht gesetzt, sondern allenfalls nachvollzogen. Das System 4-2-3-1 ist derzeit " state of the art ", alle vier Halbfinalisten formierten sich so, ebenso drei der vier unterlegenen Viertelfinalisten. Die deutschen Ohrfeigen für England und Argentinien stehen exemplarisch für die Abkehr vom 4-4-2 und dessen Unterlegenheit.

Die Reduzierung auf eine statt zwei Spitzen darf nicht mit einer Tendenz zur Defensive verwechselt werden. Die Dreierreihe im offensiven Mittelfeld kann mit Halbstürmern besetzt sein, die abwechselnd nach vorne stoßen (etwa Lukas Podolski, Mesut Özil und Thomas Müller). Für die deutsche Elf bekamen sogar die beiden defensiven Mittelfeldspieler, vor allem Sami Khedira, den Auftrag, in den Strafraum zu gehen. Ob sich bald ein 4-2-4-0 durchsetzen wird? Es wäre die logische Folge des immer variabler werdenden Angriffsspiels.

Nichts Neues dagegen in der Verteidigung: Die Viererkette ist nach wie vor das Non-plus-Ultra – auch wenn man gespannt sein darf, wohin die Experimente des Taktikforschers Marcelo Bielsa mit der Dreierkette führen werden. Davor ordnen zwei "Sechser" den Raum vor der Abwehr. Für Spanien (Sergio Busquets und Xabi Alonso) und Deutschland eher Spielmachertypen, für Holland die Abräumer alter Schule, Nigel de Jong und Mark van Bommel, die beide im Finale hätten Rot sehen können.