Nach dem Matchball ließ sich Rafael Nadal auf den Rasen fallen und schlug einen Purzelbaum: Nadal hat sich den Titel in Wimbledon von Roger Federer zurückgeholt und Endspiel-Debütant Tomas Berdych die Grenzen  aufgezeigt. Wie Serena Williams tags zuvor demonstrierte der Mallorquiner in London sein Können und siegte in 2:13 Stunden mit 6:3, 7:5, 6:4 gegen den Tschechen. Damit holte er sich mit seinem 40. Sieg  als erster Spanier den Sieg bei den All England Championships nach 2008 zum zweiten Mal.

Ein gutes Omen für den Fußball-Fan, denn damals wurden Spaniens Kicker Europameister. "Hoffentlich kommt es wieder so", sagte Nadal mit dem prunkvollen Pokal in der Hand. "Es ist mehr als ein Traum für mich nach dem schweren letzten Jahr mit den vielen Verletzungen." Auch die 28-jährige Williams blieb beim 6:3, 6:2 gegen die Russin Wera Swonarewa nichts schuldig und schaffte ihren 13. Grand-Slam- und 4. Wimbledon-Triumph, der wie der von Nadal mit 1,218 Millionen Euro belohnt wurde.

Und auch Deutschland, bei der WM in Südafrika Halbfinalgegner der Spanier, hat wieder einen Wimbledonsieger. Philipp Petzschner gewann den begehrtesten Doppel-Titel mit seinem österreichischen Partner Jürgen Melzer. Nach Michael Stich ist er erst der zweite Profi des Deutschen Tennis Bundes (DTB), der sich mit diesem Titel schmücken darf. "So ein Sieg bleibt für immer", sagte Petzschner, "jetzt stehen unsere Namen hier für immer an der Wand."

Im Endspiel ließ die grenzüberschreitende Alpen-Kombination das an Nummer 16 gesetzte schwedisch-rumänische Duo Robert Lindstedt/Horia Tecau mit 6:1, 7:5, 7:5 schlecht aussehen und schnappte sich den silbernen Pokal. 183.400 Euro waren der größte Lohn für Petzschner, der schon im Einzel angedeutet hatte, dass mit ihm in Zukunft zu rechnen ist.

Rafael Nadal konnte davon ein Lied singen, als er in der dritten Runde gegen den Bayreuther am Rande einer Niederlage balancierte. Doch wie Berdych im Achtelfinale gegen den Deggendorfer Daniel Brands reichte das kleine bisschen mehr Cleverness und Glück aus zum Durchmarsch ins Endspiel, das für Tschechien das erste seit Ivan Lendl 1987 war. Mutig begann der 24-jährige Berdych, der von Montag an die Nummer acht der Weltrangliste ist. Aber schon bald wurde klar, dass ihm der nach jetzt acht Grand-Slam-Titeln mit allen Wassern gewaschene Nadal wenig Raum zur Entfaltung geben würde.

Es gibt nur eine Chance, Nadal aus dem Rhythmus zu bringen. Wenn man ihm die sorgsam aufgereihten Wasserflaschen umwirft.
Boris Becker

"Es gibt nur eine Chance, Nadal aus dem Rhythmus zu bringen", frotzelte BBC-Kommentator Boris Becker, "wenn man ihm die sorgsam aufgereihten Wasserflaschen umwirft." Doch selbst das hätte nicht viel genutzt, obwohl Nadal keine überdurchschnittliche Leistung bot. "Ich habe Rafa schon besser gesehen", erkannte Becker und fügte erklärend hinzu. "Aber genau das ist es, warum er ein großer Champion ist. Er gewinnt trotzdem."

In seinem zehnten Grand-Slam-Finale und vierten in Wimbledon fehlte Nadal die Brillanz. Doch den tapfer kämpfenden Berdych, der in Roger Federer und Novak Djokovic die Nummern zwei und drei der Weltrangliste ausschaltet hatte und als zweiter Tscheche nach Jan Kodes 1973 siegen wollte, hielt er trotzdem auf Distanz. Zum zweiten Mal schaffte der nur an zwei gesetzte Weltranglistenerste das Double aus French Open und Wimbledon, was Björn Borg zwischen 1978 und 1980 dreimal in Serie gelungen war.

Vor den Augen des Schweden setzte Nadal seine Rekordjagd der Saison 2010 fort. Nach einem Jahr Wimbledon-Pause, in dem er wegen einer Knieverletzung tatenlos mitansehen musste, wie ihn Federer entthronte und seinen sechsten Wimbledonsieg holte, sowie der neuerlichen Blessur im Januar bei den Australian Open, ist der 24-Jährige so stark zurückgekommen wie noch nie.

Mit dem 18. Titel beim Masters in Madrid wurde er erfolgreichster Spieler dieser Serie, siegte in Monte Carlo als Erster zum sechsten Mal in Serie und gewann als erster Tennisprofi den "Clay Slam" – die drei Masters-Turniere auf Sand und die French Open in einem Jahr. Hocherfreut sagte Nadal denn auch über den braun gewordenen Rasen auf dem Center Court in Wimbledon: "Hinter der Grundlinie ist eine Menge Sand; perfekt zu spielen."