31 Tage hat diese WM, 31 Seiten hat das WM-Tagebuch von ZEIT ONLINE. Täglich berichtet ein Künstler, Journalist, Fußballer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Musiker, wie er seinen WM-Tag erlebt hat – wo, mit wem und wie er die WM-Spiele gesehen oder auch nicht gesehen hat.

Der Jabulani macht anscheinend allen Probleme, teilweise kann ich das verstehen, aber meiner Meinung nach dient der arme WM-Ball als Ausrede für alle möglichen Schnitzer. Zum Beispiel für Robert Green, ich kenne den Mann noch aus meiner Zeit in England, und nein, er ist kein schlechter Torwart, aber der Fehler gegen die USA war der Fehler eines Schulkindes. So etwas kann passieren, darf aber nicht. Ebenso bei Faouzi Chaouchi, dem algerischen Schlussmann. Auch der sah sehr schlecht aus, aber auch hier kein Fehler des Balles, sondern einer des Torwarts. Wenn der Körper hinter dem Ball ist, passiert so etwas nicht.

Auch der Torwart Paraguays sprang unter dem Ball durch – wieder die Antwort: Torwartfehler. Aber was ist anders mit dem Jabulani? Es stimmt, er fliegt schneller und weiter, vor allem in der Höhe von Johannesburg. Das ist Fakt.

Übrigens, Italiens Torwart Gianluigi Buffon nannte das Ding eine Schande. Ich fand seine lange schwarze Unterhose eine viel größere Schande.

Der Winter in Südafrika ist tückisch. Wenn die Sonne scheint, neige ich dazu, im T-Shirt durch die Gegend zu laufen, aber im Schatten ist es böse frisch, und nachts ist bei uns der Hotelbrunnen sogar gefroren. Die Anstoßzeiten um 20.30 Uhr sind sehr zweifelhaft, weil es in manchen Nächten teilweise so kalt war, dass den Afrikanern beim Vuvuzelablasen die Lippen eingefroren sind. Für die Afrikaner auf dem Platz ist die Kälte sowieso ein wahres Gift, darunter schien die Leistungsfähigkeit zu leiden. Sogar die südafrikanische Liga pausiert im Juni und Juli, im Mai und August wird um 14 Uhr gespielt. Das wird wohl seine Gründe haben.

Am Abend ist in Johannesburg natürlich die Hölle los, und man trifft die ehemaligen Stars in jeder Bar. Wenn es mal kein ehemaliger Weltklassespieler ist wie Zidane, mit dem wir uns einen Cuba libre genehmigten, dann sind es Hochkaräter der Fifa oder der großen Ausrüster. Einen Tag vor dem letzten Vorrundenspiel Frankreichs gegen Südafrika sagte mir Zidane beim alltäglichen Spätabendtrunk, dass die Franzosen auch dieses Spiel verlieren werden. Recht hatte er, der Zinedine, der nie alleine weggeht, sondern mindestens fünfzehn bis zwanzig Freunde im Schlepptau hat und freilich die ganze Rechnung bezahlt. 

Zwei Tage vor dem Aus der Italiener hatte ich das Vergnügen, die ganze Mannschaft zum Abendessen in der Old Butchery, einem Edelrestaurant im Edelstadtteil Sandton zu treffen. Am Anfang war das Ganze noch angenehm, und alles schien ein normaler Abend zu werden, aber als dann auf einmal etwa fünfzehn italienische Fans im Teenager-Alter auftauchten, kippte die Stimmung, und ohne auf das Essen zu warten, verschwand der ganze italienische Tross. Nicht die freundlichsten Zeitgenossen.

Übrigens ist es jeden Abend das gleiche, wir finden einfach unser Hotel nicht, und da sitzen der Urs Meier oder die anderen ZDF-Kollegen im Taxi und fluchen zusammen mit dem Taxifahrer.