31 Tage hat diese WM, 31 Seiten hat das WM-Tagebuch von ZEIT ONLINE . Täglich berichtet ein Künstler, Journalist, Fußballer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Musiker, wie er seinen WM-Tag erlebt hat – wo, mit wem und wie er die WM-Spiele gesehen oder auch nicht gesehen hat.

10.10 Uhr
Über dem kicker aufgewacht. Das Sportmagazin ist vom Kissen zerfleddert. Arne Friedrich lacht mich an. Ich lache nicht zurück. Der Druck hat sich im Hinterkopf festgesetzt, schon jetzt, im Halb-Schlaf. Nein, ich muss nicht in den Bundestag oder dir brütendheiße Redaktion. Wochenende, eigentlich alles gut. Aber es sind nur noch sechs Stunden bis zum Spiel gegen Argentinien.

10.11 Uhr
Der zweite Blick nach Friedrich gehört der Herzdame neben mir. Selbst sie, die schöne Medizinerin aus dem Norden, ist derzeit ein bisschen balla-balla. Ihr erste Satz: Ghana tut ihr leid. Der zweite: Uruguay spielt unfair.

11.26 Uhr
Ich beschließe das Tagebuch als Ticker zu schreiben. Seit der Bundespräsidentenwahl sind die wieder in, auch für Politik-Redakteure. Die kleine Spontan-Umfrage gestern im Bundestag hat übrigens ergeben: Je konservativer der Politiker, desto eher wird Deutschland Weltmeister.

11.31 Uhr
Los geht's mit dem leidigen Thema: Wo gucken? Der erste Kumpel ruft an, eine SMS zum Thema wartet bereits. Eigentlich haben wir gestern vereinbart, zu fünfzehnt auf dem Prenzlauer Berg zu schauen, privat. 38 Grad sollen es werden, beteuert einer, der noch nie Wetterdienst gesehen, aber keine Lust auf Public Viewing hat. Die nächste ruft an. Jetzt wären wir schon fast 20, zu viele für die Wohnung. Der Gastgeber schläft noch.

12 Uhr Presseschau. Löw kann sich doch vorstellen, weiter zu machen, deutet er im SZ -Interview an. Baut er vor? Vor der WM habe ich getippt, dass Deutschland im Viertelfinale ausscheidet. Hoffe es nicht, fürchte es aber. Schweini hätte sich die Provokationen verkneifen sollen... Immerhin, der BILD hat es bestimmt gefallen. Sie titelt: "So kriegen wir Argentinien klein".

12.50
Die Pläne vom Vorabend sind über den Haufen geworfen. Nun: Grillparty auf einem Balkon an der Bornholmer Straße. Auch gut. Ich will los. Die Herzdame lässt sich Zeit.

14.10
Berlin ist aufgekratzt. Fahnen in Kreuzberg, Fahnen am Alex, Fahnen am Prenzlauer Berg.