Es kommt äußerst selten vor, dass ein Perfektionist mit seinem Werk zufrieden ist. Noch seltener kommt es vor, dass er, nennen wir ihn Joachim Löw, seine Zufriedenheit auch artikuliert. Doch Samstagabend war so ein Moment. Irgendwann zwischen ZDF-Interview, die Bundeskanzlerin anlachen und dem Händeschütteln mit dem DFB-Präsidenten sagte der Bundestrainer: Ja, heute habe seine Mannschaft so gespielt, wie er sich das vorgestellt hat.

Es war ein leises Statement zwischen all den Superlativen, die mit dem Abpfiff des 4:0-Erfolges in die Fußballwelt geschrien wurden, aber es verriet, wie sehr das Spiel gegen Argentinien die Vollendung eines lang entwickelten Planes war.

Das junge deutsche Team hat innerhalb einer Woche acht Tore geschossen, zwei Favoriten auf den WM-Titel besiegt und unzählige Fans dazu gewonnen. Erfolg allein macht schon sexy. Aber durch die Art und Weise, wie das Team gesiegt hat, hat es sich schon jetzt den Titel des sympathischsten WM-Teilnehmers gesichert.

Nach dem England-Spiel (4:1) tauchte die Vermutung auf, dass hier in Südafrika eine neue, eine große, eine Mannschaft, über die noch in Jahrzehnten gerne geredet wird, entstehen könnte. Nun, nach dieser Demonstration gegen Argentinien wird aus dieser Annahme Gewissheit. Mit den Worten einer jungen südafrikanischen DFB-Sympathisantin: "Die Deutschen sind soooo gut!"

Joachim Löw blieb ob des Jubels selbstverständlich cool. Es sei wichtig, dass seine Mannschaft "jetzt nicht überdreht", sagte er und schaute mit zwei warnenden Augen in die Gesichter der Zuhörer. Schließlich verfolgt der Bundestrainer Löw in diesen Tagen nicht mehr und nicht weniger, als die erfolgreiche Umsetzung des Löwschen Umbruch-Planes. Vor zwei Jahren, nach der Europameisterschaft in den Alpen begann die Konzeption der Verjüngung. Während dieser Weltmeisterschaft vertraut der Bundestrainer zur Hälfte einer neuen, jüngeren Stammmannschaft.

Okay, wer etwas genauer hinsah, der erblickte ein paar Wenige, die nach dem Spiel auf Kapstadts Straßen in schwarz-rot-goldenen Farben tanzten und ein Trikot mit dem Namen Ballack trugen. Doch selbst die schwärmten von den Pässen Schweinsteigers, den Grätschen Lahms und den Schüssen Müllers. Auch wenn der Name Schweinsteiger im Englischen, Spanischen, Französischen viel schwerer auszusprechen ist als Messi: Als Superstar dieser WM scheint sich der blonde Deutsche immer mehr zu empfehlen.

"Dieser Umbruch, den wir bewusst 2008 eingeleitet haben", sagte der Bundestrainer, "ist gelungen." Die jungen Spieler hätten in ihrem Charakter eine Menge, aber keine Angst. Nach dem Einzug ins Halbfinale bestätigte Joachim Löw auch offiziell, dass das Ziel, Michael Ballack zu ersetzen, in diesem Turnier schon jetzt erreicht wurde.

Gegen Argentinien beeindruckte die Nationalelf erneut vor allem mit dieser neuen deutschen spielerischen Leichtigkeit und ihrer Kombinationsfreude. Drei der vier Tore waren über mehrere Stationen herausgespielt. Doch der Schlüssel zum Erfolg sei das nicht gewesen, sagte Joachim Löw. Die Disziplin in der Defensive und der Wille, lange Wege zu gehen, waren im WM-Viertelfinale die Erfolgsfaktoren, urteilte der Bundestrainer. Recht mag er haben. Aber wann kam es schon mal vor, dass es zwischen Deutschland und Argentinien in der 80. Minute 3:0 steht und die Deutschen die Argentinier per Hakentrick austricksen?