1982 in Sevilla

Deutschland – Frankreich 8:7 n. E.

Der Thriller von Sevilla gehört zu den wohl aufregendsten Spielen der Fußballgeschichte. Schon die Konstellation ist Stoff für ein Drama. Auf der einen Seite die Franzosen, die mit Platini, Giresse und Tigana die Fantasie zu beflügeln vermögen. Auf der anderen die Deutschen, die sich irgendwie durch das Turnier gemogelt haben. Am Ende siegt das Böse, das an diesem Abend vor allem von Toni Schumacher verkörpert wird. Deutschlands Torhüter schickt Patrick Battiston mit einem Hüftcheck in Kopfhöhe zu Boden. Für die Franzosen kann das Spiel, nicht nur wegen dieser Szene, kaum schlimmer laufen. In letzter Sekunde der regulären Spielzeit trifft Amoros nur die Latte, in der Verlängerung führt Frankreich 3:1 – am Ende aber gewinnen die Deutschen im ersten Elfmeterschießen der WM-Geschichte.

1986 in Guadalajara

Frankreich – Deutschland 0:2

Das Drama Gut gegen Böse wird vier Jahre später fortgeschrieben. Die Franzosen sind Europameister, im Viertelfinale haben sie in einem legendären Spiel Brasilien ausgeschaltet, doch vor den Deutschen haben sie – Angst. "Der französische Fußball hatte damals einen Komplex mit dem deutschen Fußball", erinnert sich Frankreichs Stürmer Yannick Stopyra. Andreas Brehme bringt die Deutschen mit einem Freistoß früh in Führung, in letzter Minute trifft Rudi Völler nach einem Konter zum 2:0. "Ein Wunder", titelt die Bild -Zeitung. Deutschland hat zum fünften Mal das Finale erreicht, sehr zur Überraschung von Teamchef Franz Beckenbauer. "Stell dir das mal vor, Berti", sagt er am Abend vor dem Endspiel zu seinem Assistenten Berti Vogts. "Mit dieser Trümmertruppe stehen wir im Finale. So schlecht ist der Fußball geworden."

1990 in Turin

Deutschland – England 5:4 n. E.

Vier Jahre später hat Beckenbauer seine Ansicht grundlegend geändert. "Ich liebe diese Mannschaft", verkündet der Teamchef nach dem Einzug ins Finale. Seit der WM 1986 hat er sich ein Team geschaffen, das seinen Vorstellungen vom Fußball endlich gerecht wird und das sich auf seinem Weg zum Titel von nichts und niemandem abbringen lässt. Auch nicht von den Engländern, die sich in Turin als gleichwertiger Gegner erweisen. Wieder erzielt Andreas Brehme das 1:0, wieder per Freistoß. Erst kurz vor Schluss trifft Lineker zum 1:1. Doch das kann die Deutschen ebenso wenig beirren wie Waddles Pfostenschuss in der Verlängerung. Dann machen wir es eben im Elfmeterschießen.

2002 in Seoul

Deutschland – Südkorea 1:0

Von Herzen geliebt haben die Deutschen Michael Ballack nie. Warum eigentlich nicht? Im Halbfinale der WM 2002 hat er alles getan, um sich unsere Zuneigung zu erwerben. Zwanzig Minuten vor Schluss – es steht noch 0:0 – eröffnet sich den Koreanern eine aussichtsreiche Konterchance. Vier Rote gegen drei Deutsche, das wird gefährlich. Ballack eilt hinterher, er grätscht von hinten, er trifft den Ball nicht – und er weiß, was das bedeutet: Gelbe Karte, die zweite im Turnier, eine Sperre fürs nächste Spiel. Dass das nächste Spiel das Finale wird, verdanken die Deutschen allein Michael Ballack. Vier Minuten nach seinem Foul trifft er zum 1:0, nach dem Abpfiff sitzt er heulend in der Kabine. Rudi Völler, Deutschlands Teamchef, wird später noch oft sagen: "Ich würde das Finale gerne noch einmal mit Michael Ballack spielen." Ohne ihn verlieren die Deutschen 0:2 gegen Brasilien.

2006 in Dortmund

Deutschland – Italien 0:2 n. V.

Ob Jürgen Klinsmann das Halbfinale 2006 wohl gerne noch einmal mit Torsten Frings spielen würde? Frings ist bei der WM im eigenen Land der Siegfried der deutschen Mannschaft – doch gegen Italien fehlt er gesperrt, weil ihm nachträglich eine Beteiligung an der Schlägerei nach dem Viertelfinalsieg gegen Argentinien nachgewiesen wurde. So entstehen Verschwörungstheorien. Und tragische Helden. Als die Deutschen aufs Elfmeterschießen schielen, trifft Fabio Grosso ihnen mit seinem Schlenzer mitten ins Herz, Alessandro Del Piero erhöht kurz darauf auf 2:0. Michael Ballack weint – als ahnte er schon, dass er in seiner Karriere kein WM-Finale mehr bestreiten würde.