Die beiden Mädels waren Anfang zwanzig: schwarze Oberteile, rote enge Hosen und gelbe Hüte. Als sie versuchten, das, was sie bejubelten, zu benennen, klang es schlimmer als Lothar Matthäus auf Französisch. Mit breiter Brust und mit "Deeeeeutschlaaaand, Deeeeeutschlaaaand"-Rufen zogen sie durch Kapstadts Straßen.

Zwei junge Frauen, die in Südafrika geboren und aufgewachsen sind, die – wie sie beteuern – keinen speziellen Bezug zu Deutschland haben und sich dennoch freiwillig wie PR-Maskottchen des Außenministers verkleiden. Das macht der Fußball.

Es war am Abend nach dem Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien. Die Südamerikaner hatten nichts, die Europäer vier Tore und einen Salto gezeigt. Dieser Sieg passte exakt in das Bild, das Joachim Löws Mannschaft während dieser WM hinterlässt: jugendlich, frisch, international, verspielt, locker, ehrgeizig und erfolgreich.

Fußball-WM 2010 - Martenstein und Dobbert: Die Videokolumne aus Südafrika Unsere WM-Reporter diskutieren über die multikulturelle deutsche Nationalelf und ihren furiosen Viertelfinal-Sieg gegen Argentinien.

Efren Rueda ist WM-Veteran, seit 1994 war er bei allen Weltmeisterschaften dabei. Stets hat der grauhaarige Venezolaner Argentinien unterstützt, auch in Südafrika. Am Tag nach dem Aus, lächelt er. Weil er über Deutschland spricht.

 "Ich habe euch vor vier Jahren in Deutschland gesehen. Aber vergesst das, vergesst Ballack," sagt er und hebt den Zeigefinger: "Euer neues Team ist frisch und zauberhaft." Weil er den Namen Schweinsteiger nicht aussprechen kann, nennt er ihn nur den Spieler mit der Nummer sieben. Die Nummer sieben sei immer zuerst am Ball, immer überall auf dem Feld und immer so elegant wie eine schöne Frau.

Efren will nicht sagen, dass er plötzlich Fan des DFB-Teams ist, aber nachdem er eine Viertelstunde von Özil, Müller und Neuer geschwärmt hat, sagt er, Deutschland hinterlasse den schönsten Eindruck bei dieser WM.

In den Stunden des Erfolgs ist es natürlich leicht, sich und die Welt da draußen für etwas Großartiges zu halten. Wer ein Fußballspiel 4:0 gewinnt, kann nur überzeugt haben. Womöglich schwingt derzeit auf den Straßen Kapstadts auch etwas Übertreibung mit. Vielleicht vergeht der Fußballrausch auch wieder ganz schnell. Aber jetzt ist er da.