Patrick McEnroe musste am Donnerstag bei seiner Moderation lange Wartezeiten überbrücken, als während der Auslosung zu den US Open immer wieder Werbeblöcke die Live-Übertragung unterbrachen. Der ehemalige Profi versuchte sich daher in ähnlich derben Sprüchen, wie sie sein älterer Bruder John gerne klopft. "Wo bleibt denn eigentlich der Titelverteidiger?", fragte McEnroe schließlich etwas flapsig. Die Lacher blieben aus.

Denn Juan Martin del Potro, der im Vorjahr in Flushing Meadows seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann, sollte eigentlich als Glücksfee an der Auslosung teilnehmen. Der amerikanische Tennisverband USTA hatte das Kommen des Argentiniers noch in der Vorwoche groß angekündigt. Del Potro sei wieder fit und voll im Training. Doch das war ein Irrtum. Del Potro sagte für die US Open ab, sein Zustand gibt weiter Rätsel auf.

Vor einem Jahr war der 21-jährige Hüne aus dem kleinen Städtchen Tandil, gut 200 Kilometer von Buenos Aires entfernt, mit seinem Überraschungssieg in New York zum neuen Herausforderer der Dauerrivalen Roger Federer und Rafael Nadal avanciert. Mit einem Schlag war der schüchterne del Potro weltberühmt. Wie sich nun zeigt, kam der große Erfolg wohl zu früh für ihn. Mehr noch, er scheint ihn fast zu erdrücken. Del Potro soll an Depressionen leiden, ausgebrannt sein. Aus seinem Betreuer-Umfeld wurde kolportiert, er habe Panikattacken. Der Weltranglistenzehnte schottet sich völlig ab, einzig auf Twitter sind gelegentlich Häppchen von ihm zu lesen.

Doch auch diese 140-Zeichen-Botschaften sind wenig erhellend. Fest steht nur, dass del Potro seit seinem Achtelfinal-Aus bei den Australian Open im Januar kein Match mehr bestritten hat. Ein Grund dafür ist, dass del Potro seit dem vorigen Herbst über Schmerzen im rechten Handgelenk klagte. Aber erst am 4. Mai ließ er sich operieren.