Die bedrohliche Zukunft lauert direkt neben dem Lausitzring. Dort drehen sich langsam die Windräder, sie sind umweltfreundlich und ruhig. An ihnen vorbei jagen die kleinen Flugzeuge mit den hektischen Propellern. Die Maschinen wirbeln durch die Luft, rasen durch Hindernisse und überschlagen sich. Sie sind dreckig und laut.

Eigentlich fahren auf dem Lausitzring Autos um die Wette. Für das WM-Finale der Flugkünstler wurde umgebaut. In zwölf Tagen wurde ein Hindernisparcours für Flugzeuge errichtet, 15 mit Luft gefüllte Pylone ragen wie Speerspitzen aus der Erde.

Hier wurde am Wochenende das vorerst letzte Air Race ausgetragen. Vor einem Monat sagten die Veranstalter kurz hintereinander die Rennen in Lissabon und Budapest ab. Die Verantwortlichen der Städte hatten Angst vor Unfällen. Kurz darauf wurde verkündet, die gesamte Rennserie werde 2011 eine Pause machen. Es soll am Sicherheitskonzept gearbeitet und feste Rennstrecken gefunden werden. "Die Entscheidung kam von ganz oben – von den Geldgebern", sagt Matthias Dolderer, der einzige deutsche Pilot.

Das Air Race wurde von einem Brausehersteller entwickelt. Der Chef steht aufs Fliegen. Kunstflug-Wettkämpfe gab es bereits vorher, aber bei diesem Rennen geht es gegen die Zeit. "Wir sind nicht von Juryurteilen abhängig", sagt Matthias Dolderer. 2002 wurden die ersten Test-Wettkämpfe ausgeflogen. Seit fünf Jahren tourt der Renn-Zirkus um die Welt. In diesem Jahr wurden sechs WM-Flüge ausgetragen, mit jeweils 15 Piloten.

Matthias Dolderer steht in der Boxengasse und erklärt ruhig, dass er sich gerne weiter zwischen Hindernissen hindurchquetschen würde, aber er wisse ja nicht, ob es 2012 weitergehe. Erst im Juni hat er sich eine neue Maschine gekauft: Eine Edge 540 V3. Die wird er im nächsten Jahr wenig fliegen. Mit seinem markanten Kinn hat der 39-Jährige etwas von Michael Schumacher.

Flugsport - "Der größte Spaß" Air-Race-Pilot Matthias Dolderer im Gespräch

Mit seinem kleinen weißen Flieger rast Dolderer über das Tribünendach. Die vielen Werbeaufkleber sind gut zu erkennen. Die Zuschauer sitzen 150 Meter entfernt. 120.000 Menschen fassen die Tribünen des Lausitzrings, die Polizei hat 20.000 Plätze abgesperrt – die Piloten wären den Zuschauern dort zu nahe gekommen. An der Strecke wird es laut. Es riecht nach Benzin und Staub.