ZEIT ONLINE:Herr McClaren, wie groß ist der Druck, den Sie bei Ihrer Premiere als Trainer in Deutschland verspüren? Der VfL Wolfsburg soll mit Ihnen zurück an die Spitze der Bundesliga.

Steve McClaren:Ich empfinde die Vorgabe des Vereins nicht als Druck. Wir haben hier eine sehr gute Mannschaft. 2009 war der VfL Meister, und es hat sich in der vergangenen Saison herausgestellt, dass es sehr schwierig ist, eine solche Erfolgsgeschichte zu wiederholen. Deswegen bin ich jetzt hier.

ZEIT ONLINE:Sie sind der erste britische Cheftrainer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga.

McClaren:Ja, und die Bundesliga ist für mich eine große Herausforderung. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich mich hier etablieren kann. Das Wichtigste ist, dieses Team dazu zu bringen, Spiele zu gewinnen und Wolfsburg Erfolg zu verschaffen. Der schwierige und aufregende Teil meines Jobs ist es, 22 bis 23 Spieler zu einem Team zu formen. Ich gewinne, wenn ich ein Team habe, das füreinander arbeitet und in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhält. Dann hat man die Fähigkeit, erfolgreich zu sein. Meine Mannschaft hat diese Fähigkeit.

ZEIT ONLINE:Wenn die Leute über Sie reden, kommt immer diese eine unschöne Geschichte ins Spiel. Ist es ein Fehler, in Ihrer Gegenwart das Wort "Regenschirm" zu benutzen?

McClaren:Ja (lacht). Nein, das ist kein Problem. Ich weiß, wie die Leute darüber denken. Wir haben uns damals mit der Nationalelf nicht für die EM qualifiziert. Wenn Du keinen Erfolg hast, wirst du dafür in England auch sehr hart kritisiert. Das ist den anderen Nationaltrainern vor mir auch so gegangen. Dann wirst du in den englischen Medien "gekilled".

ZEIT ONLINE:Ihr erstes Bundesligaspiel führt Sie an diesem Freitag zum FC Bayern München. Ist das eine Ehre oder ein Alptraum?

McClaren:Dieses Spiel ist für mich eine große Herausforderung. Es wird ein großer Test für uns alle. Bayern München ist eine Institution im deutschen Fußball und der Gradmesser für die besten Mannschaften Europas. Um dieses Level zu erreichen, braucht man Geschichte und Tradition. Es wird Zeit brauchen, bis wir uns einen ähnlichen Status erarbeitet haben. So etwas geschieht nicht über Nacht.

ZEIT ONLINE:Hätten Sie gedacht, dass Ihr Start in Wolfsburg von so vielen Problemen belastet wird? Das Tauziehen um Edin Dzeko und Zvjezdan Misimovic hat die gesamte Saisonvorbereitung belastet.

McClaren:So ist der Fußball. Immer, wenn es eine Veränderung wie einen Trainerwechsel gibt, sorgt das für Gewinner und Verlierer. Das ist ein Teil des Fußball-Zyklus. Manche Spieler will man behalten, manche verkaufen oder andere Spieler dazu holen. Wenn du aber am Ende erfolgreich bist, ist es die Störungen und Probleme wert.

ZEIT ONLINE:Wenn der VfL Wolfsburg mit Diego einen neuen Spielmacher kauft, beginnt ihre Aufbauarbeit im Grunde wieder vorne.

McClaren:Das wäre richtig. Aber ich werde die Gerüchte über mögliche Spielerwechsel nicht kommentieren.

ZEIT ONLINE:Darf man von einem selbstbewussten Trainer nicht erwarten, dass er zu solch wichtigen Themen wie der Zukunft des wechselwilligen VfL-Spielmachers Zvjezdan Misimovic Stellung bezieht?