Nach Wochen der Spannung ist die Frage nun geklärt: Michael Ballack ist für Fußball-Bundestrainer Joachim Löw der Mannschaftskapitän erster Wahl. Der seit 2004 amtierende Michael Ballack wird weiterhin seine Position ausfüllen. Solange er krankheitsbedingt nicht einsatzfähig ist, wird ihn Philipp Lahm vertreten. Sollte auch Lahm vorübergehend ausfallen, wird Bastian Schweinsteiger Vize-Kapitän.

Dieses Modell stellte Löw in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt vor. In einer Teamsitzung am Dienstagabend hatte der 50-Jährige bereits die Nationalspieler über die künftige Verfahrensweise informiert.

Löw sagte, er habe ein persönliches Gespräch mit Ballack geführt. "Ich habe ihm in aller Offenheit gesagt, dass ich ihn noch nicht in der Verfassung sehe, dass er uns weiterhilft", sagte Löw.

Für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele am Freitag in Brüssel gegen Belgien sowie vier Tage später in Köln gegen Aserbaidschan verzichtet Löw wegen mangelnder Fitness auf den 33-jährigen. Frühestens für den Doppelspieltag im Oktober gegen die Türkei und in Kasachstan könnte der Trainer Ballack wieder aufstellen. Dann würde er als Kapitän seine Länderspiele 99 und 100 bestreiten.

Löw hat so dem Machtkampf zwischen Ballack und Lahm zunächst einmal etwas an Brisanz genommen. "Die WM hat gezeigt, dass wir die Verantwortung auf mehrere Schultern übertragen müssen. Man hat auch gesehen, einer allein kann es nicht. Es sind viele Chefs auf dem Platz gefragt", sagte Team-Manager Oliver Bierhoff über die Vorstellungen der sportlichen Leitung.

Im Tor wird wie bei der WM Manuel Neuer stehen. Der Schalker erhält den Vorzug gegenüber dem genesenen René Adler. Der Leverkusener hatte das Turnier in Südafrika wie Ballack wegen einer Verletzung verpasst und teilt sich die Rolle der Nummer zwei mit Tim Wiese. "Manuel Neuer hat ein hervorragendes Turnier gespielt. Wir waren mit seinen Leistungen sehr zufrieden", sagte Löw.

Nach der Kapitäns-Entscheidung soll der Fokus nun ganz auf die EM-Qualifikation gerichtet werden. Vor der Reise nach Belgien am Donnerstag wird die Nationalmannschaft noch einmal in Frankfurt trainieren. An der ersten Übungseinheit am Dienstagabend hatten bis auf den Leverkusener Stefan Kießling, der wegen Rückenproblemen ausfiel, alle Akteure teilgenommen. "Wir wollen die Euphorie, die wir bei der WM entfacht haben, weiter vorantreiben", sagte Bierhoff vor dem Start der Qualifikation. Weitere Gegner des WM-Dritten in Gruppe A sind die Türkei, Österreich, Kasachstan und Aserbaidschan. Nur der Gruppensieger qualifiziert sich direkt für die EM-Endrunde im Sommer 2012 in Polen und der Ukraine.