Mutti hatte doch Recht. Irgendwann kommt es immer raus. Egal wie, hat sie immer gesagt. Ob auch Se ñ ora Contador ihrem Alberto diese Weisheit mit auf dem Weg gegeben hat, wer weiß das schon. Dass der dreifache Tour-de-France-Sieger Alberto Contador aber durch ein Mittelchen aus der Steinzeit des Dopings überführt werden könnte, könnte als Kuriosum in die Sportgeschichte eingehen. Der Fall erinnert an den Mafia-Boss Al Capone, der letztendlich erst wegen des Bagatelldelikts der Steuerhinterziehung ins Gefängnis gesteckt wurde.

Während der diesjährigen Tour de France wurde Contador eine positive Dopingprobe entnommen . Eine Tatsache, die bei vielen nur ein schlichtes Schulterzucken auslöst. Wirklich überraschend kommt das nicht. Der Name des Spaniers tauchte abgekürzt als "A.C." auf der Kunden-Liste des mutmaßlichen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes auf. Vor vier Jahren verschwand die aus unerklärlichen Gründen, Contador hat die Anschuldigungen stets bestritten.

So durfte er weiter auf seinem Fahrrad durch Frankreich fahren, schneller als jeder andere. Er gewann die Rundfahrten 2007, 2009 und auch 2010. Zwar konnte man ihm nie irgendetwas nachweisen, aber das Misstrauen fuhr immer mit. Gerade im Radsport. Dopingexperten werden nicht müde zu betonen, dass es Hunderte illegale leistungssteigernde Mittel gibt, von deren Nachweis, die Wissenschaft noch Jahre entfernt ist.

Dass es aber ausgerechnet Clenbuterol ist, ein Mittel also, an dem 1992 auch die Karriere der deutschen Sprinterin Katrin Krabbe zerbrach, ist durchaus überraschend. Gilt es doch als einwandfrei nachweisbar. Genau so gut hätte sich Contador einen riesigen Aufkleber auf sein Fahrrad kleben können: "Seht her, ich dope gerade."

Der vermeintlich beste Radfahrer der Welt ist also entweder besonders dumm oder besonders dreist.

Dumm, weil eine Wirkung von 50 Picogramm Clenbuterol (das sind 0,000 000 000 05 Gramm pro Milliliter, elf Nullen, also recht wenig) tatsächlich bezweifelt werden kann. Zumal das Mittel zwar auch das Atmen erleichtert, hauptsächlich aber den Aufbau von Muskeln unterstützt. Im Gegensatz zu seinen Sprinterkollegen ist beim Berg- und Zeitfahrspezialisten Contador der Oberschenkelumfang aber kaum siegentscheidend.

Dreist, weil Contador vermuten könnte, eine solch geringe Menge würden die Messgeräte übersehen. Und der Fall so anschaulich zeigen könnte, dass die Profi-Radfahrer auch die allerletzte Möglichkeit ausreizen, ihre Leistung zu steigern. Selbst wenn der Nutzen fraglich ist. Eine Tatsache, die einiges aussagen würde, über die Perversität des Profisports.

Contador verteidigt sich mit dem gleichen Argument, wie der vor Kurzem ebenfalls positiv auf Clenbuterol getestete deutsche Tischtennis-Spieler Dimitrij Ovtcharov. Er sagt, er habe verunreinigtes Fleisch zu sich genommen. Wird die Substanz doch auch als Kälbermastmittel eingesetzt. Das sei nicht unmöglich, heißt es aus der Wissenschaft. Nur hielt sich Ovtcharov zum fraglichen Zeitpunkt in China auf, einem Land, das auch gerne mal mit Schlagzeilen über Clenbuterol-Vergiftungen bei Menschen auf sich aufmerksam macht. Contador dagegen aß seine Steaks in Frankreich, dem Land der Gourmets.