In seinem Buch Zwei Seiten der Medaille , das am Donnerstag im Handel erscheint, widmet der frühere zweite Mann des DDR-Sports dem Dopingproblem 20 von insgesamt 232 Seiten.

Weil Anfang der 1970er Jahre die Chancengleichheit für DDR-Sportler im Ost-West-Vergleich nicht mehr gewährleistet gewesen sei, "entschied sich die damalige Sportleitung für den Einsatz ausgewählter anaboler Substanzen in einer Reihe von Sportarten", schreibt der Rodel-Olympiasieger und ehemalige Vizepräsident des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB). "Wenn also die DDR weiterhin im internationalen Sportgeschehen erfolgreich mithalten wollte, blieb nichts weiter übrig, als den Einsatz von Dopingmitteln zu gestatten."


Die DDR-Verantwortlichen hätten sich für eine "sachgerechte und medizinisch kontrollierte Anwendung ausgewählter Dopingmittel" entschieden. Laut Köhler waren 1989 in den DDR-Sportclubs 90 Fachärzte tätig. Dazu kamen Verbandsärzte in sämtlichen Sportarten, Mediziner an den Sportschulen und Forschungsärzte in Leipzig und Kreischa.

Köhler behauptet, die Vergabe von Medikamenten sei unter strengster Beachtung der ärztlichen Sorgfaltspflicht erfolgt." Schwere gesundheitliche Zwischenfälle oder sogar Todesfälle, die in anderen Ländern durchaus vorkamen, passierten in der DDR nicht". Diese Ansicht wurde in den DDR-Doping-Prozessen zwischen 1998 und 2000 von zahlreichen geschädigten Sportlern allerdings widerlegt.

Der Sportfunktionär räumt auch ein, dass Minderjährige gedopt wurden. Auch das entschuldigt er: "Wenn Sportler bereits ab dem 16. Lebensjahr beteiligt wurden, geschah das vor allem unter Beachtung ihres biologischen Reifegrades." Dies sei vor allem im Schwimmen passiert. Inzwischen habe sich gezeigt, dass sogar noch jüngere Sportler gedopt wurden, "Anabolika an Spartakiadesportler vergeben wurden". Darüber, verteidigt er sich, "hatte ich keine Kenntnisse und hätte diese auch nicht geduldet."