Ina Müller

Die Hamburgerin Ina Müller feierte mit dem Kabarett-Duo Queen Bee in den neunziger Jahren Bühnenerfolge, moderiert die TV-Sendungen Inas Nacht und singt auf Plattdeutsch © Mathias Bothor, 105 Music GmbH

Wenn ich Wert darauf legen würde, dass es kultig und szenig ist, dass die Musik schick ist, die Wurst am leckersten und die Stimmung am größten ist, dann wäre ich Pauli-Fan. Aber ich bin HSV-Fan, weil mich der HSV überzeugt hat, mit der Art, wie er Fußball spielt. Okay, das ist schon eine Weile her.

Ich war intensiver Bayern-Fan, ganz viele Jahre lang, als ich in München gelebt habe. Aber dann bin ich nach Hamburg gezogen, in München begann die Ära Klinsmann, die mich sehr gelangweilt hat. Ob ich nicht mal Lust hätte, zum HSV zu kommen, nur mal so, schrieb mir Katja Kraus aus dem HSV-Vorstand dann in einem Brief.

Ich bin hingefahren. Noch mal hingefahren. Und noch mal hingefahren. Und irgendwann saß ich in der HSV-Arena und habe geweint. Weil ich ein extrem schönes Spiel und ein tolles Tor von Ivica Olic gesehen hatte. Da dachte ich: Super, du hast geweint, jetzt bist du HSV-Fan. Inzwischen habe ich einen Stammplatz in einer Loge. Ja, ist natürlich ein bisschen mädchenhaft. Aber für die Kurve bin ich etwas feige.

Mein ganzer Freundeskreis teilt sich in St. Pauli- und HSV-Fans. Seit einer ganzen Weile flachsen wir, wie das Derby am Wochenende ausgeht. Aber die Aggressionen und der Hass gegen den anderen Verein fehlen ein bisschen. In Hamburg liebt man seine Hansestadt, man liebt den HSV und man liebt auch ein bisschen den FC St. Pauli. Ich hoffe, dass es den Spielern nicht auch so geht.

Ja, mir fehlt der ernsthafte Hass, wie es ihn im Ruhrgebiet zwischen Schalke und Dortmund gibt. HSV gegen St. Pauli, das ist für mich kein Hass-Derby, leider. Ich weiß zum Beispiel, dass der Sänger Lotto King Karl jemand ist, der sich sehr mit dem HSV identifiziert. Aber selbst der kann nicht richtig hassen. Es darf ja sogar sein, dass "Hamburg meine Perle", die Hymne des HSV, am Sonntag im Stadion des FC St. Pauli gespielt wird. Das, was sonst nicht passiert, geht im Derby: Das Lied der gegnerischen Mannschaft läuft im eigenen Stadion. Das zeigt die Empathie, die bei unserem Derby dabei ist.

Das finde ich schade, aber auch sehr groß. Ich bin mir sicher, es wird allen Spaß machen am Sonntag. Lotto King Karls Musik wird durch die Lautsprecher hallen und der HSV 4:1 gewinnen.