Das Thema Doping hat nun auch das deutsche Tischtennis erreicht. Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) suspendierte den vierfachen Team-Europameister Dimitrij Ovtacharov mit sofortiger Wirkung. Kontrolleure hatten den 22-jährigen Nationalspieler am 23. August in seinem Wohnort Tündern positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet. Dies hat nach Angaben des DTTB die Auswertung der A-Probe am Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln ergeben. Clenbuterol steht wegen seiner anabolen Eigenschaften, die zum Muskelaufbau genutzt werden können, auf der Dopingliste.

Ovtcharov wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. "Ich bin schockiert und beschwöre öffentlich, dass ich noch nie in meinem Leben eine verbotene Substanz zu mir genommen habe", ließ er über seinen Anwalt mitteilen. "Ich hatte noch nie in meinem Leben Zugang zu irgendwelchen Dopingmitteln. Mir war nicht einmal geläufig, dass es eine Substanz Clenbuterol gibt", beteuerte Ovtcharov.

Der Profi geht daher von Fremdverschulden während der China Open aus, an denen er vom 16. bis 22. August teilgenommen hatte. "Es liegt für mich deshalb nahe, dass ich im normalen Nahrungsmittelkreislauf, also etwa bei den täglichen Fleischmahlzeiten in China, Opfer einer für mich nicht erkennbaren Nahrungsmittelkontamination geworden bin", sagte Ovtcharov.

Sollte sich die positive Doping-Probe bestätigen, droht dem Profi eine zweijährige Sperre. Ein Verlust der EM-Goldmedaille für die DTTB-Auswahl ist laut Verbandspräsident Thomas Weikert aber kein Thema. "Es handelt sich hier um eine Trainingskontrolle vor Beginn des EM-Turniers und nicht um eine Kontrolle während des Wettkampfes. Deswegen ist eine Aberkennung des Titels nicht möglich", erklärte der Jurist. Der Weltverband ITTF habe ihm diese Rechtsauffassung bereits bestätigt.

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf zeigte sich dennoch schockiert. "Wir waren bisher davon ausgegangen, dass Tischtennis keine Probleme mit Doping hat. Die Situation überfordert uns alle", sagte Roßkopf. Der Fall ist in Deutschland einmalig, auch der ITTF sind keine Doping-Fälle im vergleichbaren Ausmaß bekannt. Der DTTB wollte zunächst mit Hinweis auf das laufende Verfahren keinen Kommentar abgeben. Der Verband wartet darauf, dass Ovtcharov, der derzeit für den russischen Verein Orenburg spielt, bei der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) die Öffnung der B-Probe beantragt.

Ovtcharovs Team-Kollegen halten bislang noch zu dem gebürtigen Ukrainer, der seit seinem dritten Lebensjahr mit seinen Eltern in Deutschland lebt. "Ich kann das gar nicht glauben. Ich hoffe für Dima, dass sich seine Unschuld herausstellt", sagte der Weltranglisten-Zweite und dreizehnfache Europameister Timo Boll .

Ovtcharov hatte am Freitag bereits die Rückreise von der EM im slowakischen Ostrau angetreten. Er hatte zuvor Gold mit dem DTTB-Team gewonnen, konnte aber wegen einer im Halbfinale erlittenen Sehnenverletzung am Knöchel weder im Endspiel gegen Weißrussland (3:0) noch im Einzel und Doppel aufschlagen.