ZEIT ONLINE: Herr Nonnenbroich, durch den Sieg gegen Australien zog Ihre Mannschaft in die Zweite Runde der Volleyball-WM ein. Wie konnte das denn passieren?

Peter Nonnenbroich: Wir waren uns eigentlich sicher, dass wir es schaffen können. Trotzdem ist das ein sporthistorisches Ereignis. Es ist der erste Sieg für Kamerun bei einer Volleyball-WM und sogar der erste Sieg einer zentralafrikanischen Mannschaft. Man muss dazu wissen: In Kamerun findet Volleyball im Freien statt, wir haben keine Sporthallen.

ZEIT ONLINE: Nach dem Spiel hatten Sie auf der Pressekonferenz Tränen in den Augen.

Nonnenbroich: Das stimmt. Es ist schwer, das alles in Worte zu fassen. Man muss es sich so vorstellen: Wir haben uns drei Monate eigentlich nur auf dieses Spiel vorbereitet. Wir wussten, dass eine Niederlage das Ende der Volleyball-Subventionen in Kamerun bedeutet hätte. Und wir wussten, wenn wir gewinnen, haben wir gute Chancen in den nächsten zwei Jahren ein wirklich gutes Programm auf die Beine zu stellen. Wir wollen zu den Olympischen Spielen nach London.

ZEIT ONLINE: Wie hat es Sie denn nach Kamerun verschlagen. Da verirrt sich ein Volleyballtrainer ja eigentlich eher selten hin?

Nonnenbroich: Durch meine Trainerausbildung beim Internationalen Volleyballverband war ich immer viel unterwegs. 2006 bekam ich die Anfrage, ob ich die Damenmannschaft Kameruns für drei Monate auf die WM vorbereiten will. Ich war zu der Zeit frei und habe gesagt: Okay, machen wir es!

ZEIT ONLINE: Ohne je in Kamerun gewesen zu sein?

Nonnenbroich: Genau. Es war eine spontane Entscheidung, ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommt. Später habe ich in Kamerun ein Sport-Entwicklungsprogramm des Deutschen Olympischen Sportbundes aufgebaut. Und irgendwann kam dann das Angebot, Nationaltrainer zu werden.

ZEIT ONLINE: Unter welchen Bedingungen arbeiten Sie vor Ort?

Nonnenbroich: Man muss unterscheiden. Die Hälfte aller Nationalspieler spielt schon in Europa. Wir konnten zur Vorbereitung auf die WM eine drei Monate lange Tour durch Europa machen. Da hatten wir wirklich gute Trainingsbedingungen, insofern ist der Erfolg gegen Australien nicht vom Himmel gefallen. Mit den lokalen Spielern in Kamerun selbst trainieren wir aber im Freien, weil wir keine Hallen haben. Egal ob es regnet, oder 40 Grad heiß ist – das spielt keine Rolle.

ZEIT ONLINE: Dann gibt es auch keinen Parkettboden?

Nonnenbroich: Nein, wir trainieren dann auf Zement oder Asphalt.

ZEIT ONLINE: Das klingt schmerzhaft.

Nonnenbroich: Könnte man meinen, aber das ist alles eine Frage der Gewohnheit. Und die Jungs gehen dort auch auf den Boden. Ein europäischer Profi würde sich sicher weigern.

ZEIT ONLINE: Was ist das Besondere am Volleyball in Kamerun?

Nonnenbroich: Für mich ist Volleyball in Kamerun eine Frage der Emotionen. Die Beziehung zu den Jungs ist etwas Besonderes. Ich bin seit 1983 Profitrainer, wurde Meister in Deutschland, Frankreich und Tunesien, mit wirklich guten Mannschaften. Aber ich habe nie so etwas erlebt, wie mit denen.

ZEIT ONLINE: Was denn?

Nonnenbroich: Man sieht offene, ehrliche Emotionen pur. Da ist nichts gekünstelt. Ich war nach dem Spiel nicht der Einzige, der geheult hat.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle spielt Volleyball in der Bevölkerung?

Nonnenbroich: Erst kommt Fußball, dann noch mal Fußball und dann noch hundertmal Fußball. Und dann kommt Volleyball. Er ist die Nummer zwei in Kamerun.

ZEIT ONLINE: Ihre Mannschaft ist athletisch sehr stark. Wenn jetzt weiter Feinheiten im technischen und taktischen Bereich dazukommen – wächst mit Kamerun eine neue Volleyball-Nation heran?

Nonnenbroich: Wenn man uns die Mittel zur Verfügung stellt, kann man ohne Übertreibung sagen, dass wir für viele ziemlich gefährlich werden. Es gibt viele gute Talente, da kommt mit Sicherheit noch einiges nach. Ich kann es nicht versprechen, aber ich bin auch noch nicht so sicher, ob die WM für uns jetzt schon endgültig vorbei ist. Das war gestern gewaltig, aber die Jungs wollen mehr.