ZEIT ONLINE: Man sagt, das Auftreten einer Nationalelf ist das Spiegelbild des Zustandes eines Landes. Ist der Konflikt zwischen Wallonen und Flamen in der belgischen Nationalmannschaft zu spüren?

Marc Wilmots: Nein, ich habe absolut nicht den Eindruck, dass es zwei Lager gibt. Sobald ich das Gefühl habe, es ist so, höre ich als Co-Trainer auf. Auch sonst wird das mit dem Spalt in unserem Land übertrieben. Ich wohne in der wallonischen Region, nur wenige Kilometer vom flämischen Teil entfernt. Die allermeisten Wallonen haben kein Problem mit den Flamen und anders herum. Es sind die Politiker und die Medien, die daraus ein Problem machen. Ich schätze mal, dass 85 Prozent der Belgier gegen eine Teilung des Landes sind. Wenn es um wirklich wichtige Fragen geht, dann sind die Leute für Belgien. Ein Problem ist sicher die Sprache. Es kann nicht sein, dass in der wallonischen Schule nicht Flämisch, sondern Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet wird. Meine drei Kinder sprechen perfekt Flämisch und Französisch. So sollte es sein.

ZEIT ONLINE: Sie haben selbst einen kurzen Abstecher in die Politik unternommen.

Wilmots: Ich war von 2003 bis 2007 im Senat. Ich sollte an einem Projekt im Bereich Jugend und Sport mitarbeiten. Aber die Unterstützung war schlecht, es ging nichts vorwärts. Deshalb habe ich mich aus der Politik wieder zurückgezogen.

ZEIT ONLINE: Zwei Jahre später kam die Bitte von Dick Advocaat, ihn als Co-Trainer der belgischen Nationalmannschaft zu unterstützen.

Wilmots: Sein Konzept hat mich überzeugt. Dick Advocaat hat den Teamgedanken in den Vordergrund gestellt. Er ist ein Toptrainer. Wir haben vier von fünf Spielen gewonnen.

ZEIT ONLINE: Aber nach wenigen Monaten verabschiedete sich Advocaat Richtung Russland.

Wilmots: Ich war enttäuscht, aber nicht sauer. Als Nationaltrainer von Russland hat er eine bessere Mannschaft und einen besseren Vertrag angeboten bekommen. Ich beglückwünsche ihn dazu.

ZEIT ONLINE: Dick Advocaats Nachfolger, Georges Leekens, ist innerhalb von nur einem Jahr der dritte Nationaltrainer Belgiens. Was läuft da falsch?