Er träumte vom Europapokal, von den großen Stadien des Kontinents, von Titeln und Trophäen. Eduard Geyer war einer der besten Trainer der ehemaligen DDR. Dann kam die Wiedervereinigung und Geyer wurde vom Westen vergessen. Was noch viel schlimmer ist: Er wurde ignoriert. "Das war enttäuschend", sagt er heute. Es klingt nach einem, der zurück blickt und sagt: "Schaut, was ihr verpasst habt."

"Wendeverlierer oder Wendegewinner?" Eduard Geyer zögert. Er, der nie um einen Spruch verlegen war, als er noch an der Seitenlinie stand. Der Nachwuchsspieler mit den Nutten von St. Pauli verglich und Schwächen in der Hintermannschaft durch das Aufstellen seiner eigenen Ehefrau zu kompensieren gedachte. "Weder noch", sagt er dann. Aber natürlich hätte er gerne mal eine Mannschaft mit höheren Ambitionen trainiert.

Als Spieler wurde Eduard Geyer mit Dynamo Dresden Meister und Pokalsieger. Im Europapokal versuchte er, Bayerns Uli Hoeneß zu bewachen. Er war nicht der talentierteste Dynamo-Spieler aller Zeiten, aber vielleicht der Besessenste. Irgendwann nahmen sie ihm in Dresden das Dynamo-Trikot weg und stellten ihn in einem Dynamo-Trainingsanzug vor die Dynamo-Trainerbank.

1989 führte er Dynamo Dresden zum Meistertitel, obwohl der doch vor jeder Saison quasi per Regierungsbeschluss dem Stasiklub BFC Dynamo versprochen war. Der nationale Fußballverband machte ihn zum Nationaltrainer. Er sollte die DDR-Auswahl zur Weltmeisterschaft in Italien führen. Als eine Woche vor dem entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Österreich die Mauer fiel, hockte die Mannschaft im Trainingslager vor dem Fernseher . Und dachte an alles, außer Fußball.

"Wir hatten eine viel bessere Mannschaft als Österreich", sagt Geyer. "Aber leider haben wir unter denkbar ominösen Umständen verloren." In Wien verdrehten Westverträge den DDR-Spielern den Kopf, über den Schiedsrichter möchte Geyer bis heute nicht reden. Österreich fuhr zur WM. In ihren letzten drei Freundschaftsspielen holte Geyers Mannschaft ein 3:3 in Brasilien, gewann in Schottland und Belgien.

Danach war der DDR-Fußball Geschichte. Spieler und Trainer mühten sich ebenso nicht im Nichts zu versinken wie ihr Heimatland. "Ich dachte: Na gut, für dich geht die Trainerlaufbahn weiter", sagt Geyer. Und so setzte er sich, auf dem vermeintlichen Höhepunkt seiner Trainerkarriere, ins Wohnzimmer und wartete auf einen Anruf aus dem Westen. Doch es klingelte nicht.

"Man wollte die Trainer aus dem Osten nicht. Das war aber nicht nur im Fußball so", sagt Geyer. Was aus der DDR kam, konnte keinen Wert haben, wurde unbesehen platt gemacht. Auch Rotkäppchen-Sekt und der Grüne Pfeil, die heute wieder ihren festen Platz im vereinten Land haben, standen kurz vor der Abwicklung. "Da wurden zu viele Scharlatane rangelassen. Viele ostdeutsche Funktionäre haben sich angebiedert. Die haben sich lieber einen fünftklassigen Trainer aus dem Westen geholt", sagt Geyer.

Geyer wollte nicht abgewickelt werden. Er merkte, dass die Bundesliga nicht zu ihm kommen würde. Also musste er zur Bundesliga.