Nachdem zwei hohe Fifa-Funktionäre gegenüber verdeckt operierenden Journalisten unfreiwillig zugegeben haben, ihre Stimme für die anstehenden Weltmeisterschaftsvergaben gegen Geld anzubieten, hat die Kommission wieder mal etwas zu tun: Die Fifa muss in eigener Sache ermitteln. Joseph Blatter, vor zwölf Jahren mit vordemokratischen Methoden ins Amt gekommen, gibt in der neuesten Affäre seines Verbandes den Aufklärer und gekränkten Ehrenmann. Die beiden Delinquenten wurden von der Ethikkommission umgehend suspendiert. Die Abstimmungen über die WM-Austragungsorte 2018 und 2022 finden wie geplant am 2. Dezember statt. So einfach soll das sein. Aber so leicht lässt sich Korruption nicht nehmen.

"Korruption? Soll die Fifa jetzt aufhören? Sollen wir heimgehen?" Diese Fragen rief Blatter den Delegierten des DFB-Bundestages in dieser Woche in Essen zu. Um sich schnell selbst zu antworten: "Nein, natürlich nicht. Der Fußball soll weitergehen." Warum aber muss der organisierte Fußball unter Verantwortung der Fifa immer so weitermachen wie bisher? Diese Frage ließ der 74-jährige Walliser vorsichtshalber aus.

Die aktuelle Affäre zeigt gleich in mehrfacher Hinsicht, was die Fifa so empfänglich macht für schmierige Geschäfte. Man muss nur die Aufklärung der Korruption durch die Führung des Fußball-Weltverbandes auseinandernehmen: in die Aufklärung, die Korruption, die Führung, den Fußball und den Weltverband.

Der Weltverband. Die Fédération Internationale de Football Association ist mit 208 Mitgliedsländern mittlerweile größer als die Vereinten Nationen. Blatter wird rund um den Globus wie ein Sonnenkönig aus dem Heiligen Land des Fußballs behandelt. Auch deshalb wähnt er sich nach der ersten Weltmeisterschaft in Afrika bereits auf dem Weg zum Friedensnobelpreis. Im glanzvollen Palast "Home of Fifa" in der neu benannten Züricher Fifa-Straße können einen schon mal solche Allmachtsträume anspringen: Umstellt von Fifa-Flaggen und Fifa-Wimpeln tagt hier die 24-köpfige Fifa-Regierung in Konferenzsälen, in denen man unter 200.000 Euro teuren Kronleuchtern Zucker aus Fifa-Zuckertüten in Fifa-Kaffeetassen schütten kann. Das Eigenkapital der Fifa beträgt mehr als eine Milliarde US-Dollar. Blatter verdient eine Million im Jahr, "die Währung können Sie sich aussuchen".