Alle vier Jahre kann es sich bezahlt machen, einen Schachverband zu führen. 25.000 Euro sind bei den Wahlen des Weltschachbundes (Fide) für eine Stimme gefordert und angeblich auch bezahlt worden. 54 und damit mehr als ein Drittel der gewerteten Stimmen wurden beim Kongress im russischen Chanti-Mansisk nicht persönlich abgegeben, sondern entfielen auf Vollmachten. Zahlreiche Delegierte, die in der sibirischen Ölstadt gesichtet wurden, waren zum Abtreten ihres aktiven Wahlrechts bereit.

Vor allem dank afrikanischer und asiatischer Stimmen ist der bereits seit 1995 an der Spitze stehende russische Provinzpolitiker Kirsan Iljumschinow bis 2014 im Präsidentenamt bestätigt worden. Die mehrheitliche Unterstützung der wenigen mitgliederstarken Schachnationen hat seinem Herausforderer Anatoli Karpow nicht gereicht.

Wie kaum ein anderer Verband hatte der Deutsche Schachbund (DSB) den früheren Weltmeister Anatoli Karpow unterstützt. Weil umstritten blieb, welcher der beiden Kandidaten von seinem eigenen russischen Verband für die Wahl gemeldet wurde, nominierte der DSB den ihm und dem Schachklub Hockenheim als Ehrenmitglied verbundenen Karpow. Zusammen mit vier weiteren Verbänden klagte der DSB außerdem beim Internationalen Sportgericht in Lausanne gegen Iljumschinows Nominierung. Die Sportrichter mahnten die Fide zwar, ihre Regularien deutlicher zu formulieren, wiesen die Klage aber zurück.

In der Vollversammlung in Chanti-Mansisk kündigte Fide-Schatzmeister Nigel Freeman dem DSB eine Schadensersatzklage über eine Million Franken an und drohte, gegen dessen Präsident Robert von Weizsäcker auch persönlich vorzugehen. Mehrmals bat der Sohn des früheren Bundespräsidenten, darauf antworten zu dürfen. Als ihm das Wort entzogen wurde, klappte er entnervt zusammen. Darauf legte der die Versammlung führende Fide-Vizepräsident Georgios Makropoulos verbal nach: Von einem Träumer, der Karpows Lügen glaubte, sei nichts anderes zu erwarten, als dass er schwach auf den Beinen sei.

Von Weizsäcker konnte nicht länger am Kongress teilnehmen. So war er abwesend, als über den Vorsitz in der Europäischen Schachunion, für die er chancenlos kandidierte, abgestimmt wurde. Mittlerweile ist er aber wieder auf den Beinen. Und laut Karpow hat Iljumschinow versprochen, auf juristische Forderungen gegen Verbände zu verzichten.

Nicht nur politisch sondern auch sportlich ist Chanti-Mansisk ein Reinfall für das deutsche Schach. Spielten die deutschen Großmeister bei der vorigen Schacholympiade 2008 in Dresden bis kurz vor Schluss bravourös vorne mit, sind sie in Chanti-Mansisk chancenlos. Während die Ukraine vor der zehnten von elf Runden an diesem Freitag vor Gastgeber Russland und Frankreich führt, liegt das deutsche Team auf Platz 33.

Ein Ergebnis, das sogar noch über den Erwartungen liegt: Nach den Weltranglistenzahlen der Spieler ist die deutsche Mannschaft auf Rang 42 eingeordnet. Es ist nämlich nur eine C-Auswahl am Start, weil sich der DSB mit seinen Profis gehörig verkracht hat.