Vor noch nicht einmal einem halbes Jahr waren die Münchener und Niederländer die besten Freunde. Louis van Gaal turnte auf dem Rathausbalkon herum, Mark van Bommel ordnete das Geschehen auf dem Platz und Arjen Robben schoss einfach nur Tore. Mittlerweile aber verziehen sie in München das Gesicht, wenn über ihre Niederländer geredet wird.

Zu dem Dauerstreit mit dem niederländischen Fußball-Verband (KNVB) in der Causa Robben kommt jetzt noch der Fall Mark van Bommel hinzu. Der Rekordmeister überlegt auch in diesem Fall rechtliche Schritte gegen den KNVB einzulegen, weil van Bommel trotz einer Knieblessur im EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden eingesetzt wurde und nun mindestens zehn Tage ausfällt.

"Leider ist genau das eingetreten, was wir vor dem Spiel am Dienstag befürchtet hatten", sagte Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge am Mittwoch, "wieder einmal wurde der Beweis erbracht, dass ein Verband ausschließlich seine eigenen Interessen vertritt und dabei sogar die Gesundheit der Spieler in Kauf nimmt".

Nach mehrstündiger Untersuchung bei Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatten die Bayern Gewissheit. Die Verletzung war schlimmer als die von den Niederländern angegebene "kleine Schleimbeutelreizung". Faszienriss mit ausgedehntem Bluterguss im rechten Knie lautete die Diagnose. Van Bommel fällt mindestens für die Bundesligapartie am Samstag gegen Hannover 96 und das Champions- League-Spiel am kommenden Dienstag gegen CFR Cluj aus.

"Es wäre verantwortungsvoll gewesen, wenn van Bommel schon gestern nach München zurückgekehrt und von unserem Arzt diagnostiziert und behandelt worden wäre", kritisierte Rummenigge den KNVB. Die Fronten zwischen beiden Partien haben sich verhärtet, Rummenigge spricht von einem "eisigen Verhältnis". Womöglich sieht man sich demnächst vor Gericht wieder. Der FC Bayern wird den Fall dem Europäischen Fußball-Verband UEFA vorlegen.

Nach der erfolglosen Rückrufaktion der Bayern vor dem Länderspiel in der Amsterdam-Arena, wo van Bommel nach 72 Minuten ausgewechselt wurde, bis zum Ärzte-Check in München waren verbal die Fetzen geflogen. "Es ist asozial, so etwas über die Medien zu spielen", empörte sich KNVB-Chef Bert van Oostveen nach dem 4:1-Sieg seines Teams gegen Schweden. Sein Vorgänger Henk Kesler soll in den  niederländischen Medien sogar von einer "Kriegserklärung" der Bayern gesprochen haben.

"Eigentlich hätte ich erwartet, dass man aus holländischer Sicht, nach dem unvorstellbaren Vorgang Arjen Robben, ganz kleine Brötchen backt und mal die Klappe hält", lederte der Bayern-Präsident im Gespräch mit einem Radiosender zurück. In der Münchner Abendzeitung forderte er Gespräche mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB): "So kann es nicht weitergehen. Das ist doch eine Unverhältnismäßigkeit, wie viele Länderspiele und wie wenige Bundesligaspiele es bisher gab." Den Trend, dass Spieler das Nationalteam dem Verein bevorzugen, will Hoeneß nicht akzeptieren.

Aber auch van Bommel kritisierte er. "Mark van Bommel muss sich allmählich die Frage gefallen lassen, wo sein Arbeitgeber ist und von wem er bezahlt wird. Wenn er schon seit Wochen Knieprobleme hat, dann hätte man auch solche Länderspiele mal ausfallen lassen können", kritisierte Hoeneß den Bayern-Kapitän.

Die Angst, dass nach Arjen Robben und Franck Ribéry ein dritter Leistungsträger ausfällt, und das Misstrauen in die medizinische Abteilung des KNVB haben sich bestätigt. Die Niederländer sehen die Sache anders. Trainer van Marwijk sprach von einem "Sturm im Wasserglas". Verbands-Chef van Oostveen stellte klar, man habe van Bommel durch einen unabhängigen Arzt untersuchen lassen und die von ihm angefertigten Scan-Bilder an die Bayern weitergeleitet. Beide warfen den Münchnern vor, van Bommel unnötig unter Druck gesetzt zu haben.

Die Auseinandersetzung um Robben, der trotz einer Muskelverletzung im Oberschenkel bei der WM in Südafrika auflief und frühestens im Januar wieder spielen kann, wird sehr wahrscheinlich vor Gericht landen. "Wenn wir bis Monatsende keine gütliche Einigung und faire Lösung haben, werden wir ab November den Klageweg beschreiten", kündigte Rummenigge in der SZ an: "Wir haben einen sportlichen Schaden. Uns auch noch den finanziellen Schaden aufzubürden, halte ich für niveau- und stillos." Bayern fordert vom KNVB einen Schadensersatz im höheren siebenstelligen Bereich.