Am vorletzten Spieltag der Osnabrücker Abstiegssaison beschlich Pele Wollitz das Gefühl, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zuging. Der VfL empfing Rot-Weiss Ahlen und brauchte einen Sieg. Es reichte nur zu einem 2:2, weil einer der beiden Innenverteidiger, Marcel Schuon, vor beiden Gegentoren grobe Fehler machte. Als "defensiven Schwachpunkt" machte der TV-Kommentator den Abwehrspieler aus und fasste seine Leistung mit den Worten zusammen: "Hinten patzte einer zu oft: Marcel Schuon." Und: "Der schwarze Tag des Marcel Schuon, zum unmöglichen Zeitpunkt". Der Kicker gab Schuon die Note 5,5.

In diesen Tagen wird Claus-Dieter Wollitz noch öfter an diese Szenen denken, als er es ohnehin schon tut. An die Fehlpässe und Stellungsfehler seiner Mannschaft. An verschossene Elfmeter und halbherzig geführte Zweikämpfe. An Missgeschicke, die er sich damals nicht erklären konnte. Aber auch an die Fans, die ihn so lange gefeiert, am Ende aber bedroht hatten.

Wollitz, den alle nur Pele nennen, kommt am Freitag als Trainer des FC Energie Cottbus zurück an seine alte Wirkungsstätte. Fünf Jahre trainierte er den VfL Osnabrück. Es war eine erfolgreiche Zeit. Mit Wollitz stieg Osnabrück in die Zweite Liga auf, und hielt sich dort. Keine Selbstverständlichkeit für einen Verein, dessen größter Erfolg die Teilnahme um die Endrunde der Deutschen Meisterschaft war, irgendwann in den Fünfzigern.

Mittlerweile schreibt der VfL Schlagzeilen anderer Art. Der Verein spielt eine wichtige Rolle im Fußball-Wettskandal , der derzeit am Bochumer Landgericht aufgerollt wird. Drei Partien der Osnabrücker sollen in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft festgehalten sein. Die ARD berichtete von neun manipulierten Spielen des Vereins. Zwei Abwehrspieler sollen vor allem den Ausgang der letzten Partien der Spielzeit 2008/09 beeinflusst haben. Am Ende stieg der VfL in die Dritte Liga ab.

Wollitz hat den Abstieg bis heute nicht verarbeitet, den bisher einzigen in seiner Trainerlaufbahn. Als er hörte, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll, zerbröselte seine Fußball-Welt. "Ich möchte nicht, dass das wahr ist. Denn sonst bricht für mich alles zusammen, das würde alles zerstören. Wenn ich wirklich so betrogen wurde, weiß ich nicht, was mit mir passiert. Dann brauche ich Hilfe", sagte Wollitz im November 2009.

Die Verzweiflung ist der Wut gewichen. "Diese Leute haben die Grundwerte des Fußballs und des Vertrauens zerstört", sagt Wollitz. Er klagt an. "Was ist mit den Leidtragenden? Einige mussten ihre Karriere beenden oder unterbrechen. In der Vita der Spieler, des Vereins und der leitenden Angestellten steht: 2009 – abgestiegen! Das ist Fakt, und das ist nicht zu korrigieren."