Hakenkreuze sind in Deutschland verboten. Man darf sie, außer in Kunst, Forschung und Lehre, nicht verbreiten oder öffentlich verwenden. Wer sich nicht daran hält, kann im Gefängnis landen. Selbst Waldrodungen und -pflanzungen, die nur aus der Luft als Hakenkreuz zu erkennen sind, sind schon entfernt worden.

Im bürgerlichen Hamburger Stadtteil Eimsbüttel jedoch kann jeder Fußgänger bis heute einem Hakenkreuz begegnen. Genauer: einem Vorläufer des Hakenkreuzes. An der Außenwand der Turnhalle des Eimsbütteler Turnvereins (ETV) sind vier Kreuze als Relief angebracht, darunter zwei sogenannte Turnerkreuze, das eine rechtsherum drehend, das andere linksherum. Sie bestehen aus vier im rechten Winkel aufeinander fußende "F"s, die für Friedrich Ludwig Jahns Parole "frisch, fromm, fröhlich, frei" stehen (im Original: "frisch, frei, fröhlich, fromm"). Die Verwandtschaft mit dem Zeichen der Nationalsozialisten sticht sofort ins Auge.

"Nazi-Symbole sind das nicht", behauptet Jürgen Bischoff, "aber harmlos sind sie auch nicht". Bischoff ist Journalist und Teil der Expertenkommission, die der ETV damit beauftragt hatte, die Vereinsgeschichte in der NS-Zeit zu untersuchen. Und die im Oktober ihre Ergebnisse in einem Buch ( Sven Fritz, ... daß der alte Geist im ETV noch lebt, Hrsg.: ETV, Hamburg 2010 ) präsentiert hat.

Der Sport war von 1933-45 wie viele andere gesellschaftliche Systeme Träger der nationalsozialistischen Ideologie, das Turnen war sogar geistiger Wegbereiter. Turnvater Jahn (1778-1852) war nicht bloß Reformpädagoge mit Sportsgeist, sondern wollte die deutsche Jugend zur Wehrhaftigkeit gegen die Welschen , also die Franzosen, erziehen. Auch Juden zählte er zu seinen Feinden. Antisemitische, deutschtümelnde und militaristische Tendenzen durchziehen die Turngeschichte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, bereits um 1870 gab es mancherorts Arierparagrafen.

Der ETV, einst der größte Turnverein Deutschlands und noch heute Hamburgs drittgrößter Sportverein, war keine Ausnahme, das belegt das Buch. Turnen diente dem Zweck, "unserem Volke den Platz an der Sonne zu erkämpfen", heißt es in einer Chronik aus der Kaiserzeit. Der damalige ETV-Vorsitzende Julius Sparbier, der "Turnvater Jahn aus Eimsbüttel", redete "Opfermut, freiwilligem Gehorsam und schaffenskräftiger Deutschheit" das Wort. Von 1933 an wurden jüdische Mitglieder aus dem Verein gedrängt. Robert Finn, zweiter Vorsitzende während der Nazi-Zeit, spielte eine wichtige Rolle in der deutschen Kriegswirtschaft. In einer der zwei Turnhallen des ETV waren von 1940 bis 1943 Zwangsarbeiter untergebracht.