Zürich, Nyon, Lausanne – aus diesen Städten wird die Sportwelt regiert. Sowohl der Weltfußballlverband (Fifa), als auch dessen europäischer Ableger (Uefa) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) haben sich an den Ufern Schweizer Seen niedergelassen. Nicht nur, weil es dort so schön ist.

In der Schweiz klafft auch eine vom dortigen Bundesrat gehauene Gesetzeslücke. Weil die großen Sportverbände als nicht gewinnorientierte Vereine angesehen werden, gelten für sie Sonderregeln. Das ist praktisch: Fifa und Co. müssen keine Steuern zahlen, zudem sind ihre Funktionäre vom Schweizer Anti-Korruptionsgesetz befreit.

Doch die jüngsten Fifa-Korruptionsfälle haben die Eidgenossen aufgeschreckt. Die Machenschaften der Fifa werden auch zu einem Problem für die Schweiz, der Druck auf die Politik nimmt zu. Eine Gesetzesänderung soll her. "Ich bin der Meinung, dass Korruption und Bestechung auch im Bereich Sport bestraft werden müssen. Da kann man keine Schlupflöcher dulden. Die entsprechenden Gesetze müssen ergänzt werden", sagte der Schweizer Sportminister Ueli Maurer einer Schweizer Zeitung.

Mark Pieth, Strafrechtsprofessor an der Universität Basel schlägt vor, dass Sportverbände strafrechtlich ebenso wie die UN und EU behandelt werden. "Damit hätte man erreicht, dass das öffentliche Bestechungsrecht, das Amtsträger im Auge hat, voll und ganz anwendbar wäre – also auch auf IOC, Fifa oder ähnliche Verbände", sagt Pieth.

Auch Jean-Pierre Méan, Präsident von Transparency International Schweiz, spricht sich ebenfalls für ein solches Gesetz aus, und sieht Probleme. "Momentan können diese Korruptionsfälle nur auf Antrag verfolgt werden. Wer aber soll in solch einem Fall Anzeige erheben? Sowohl der Bestechende als auch der Bestochene haben sicher kein Interesse daran. Das ist für uns nicht zufriedenstellend. Die Fälle sollten auch von Amts wegen verfolgt werden", sagt Méan.

Mit dieser Lex Fifa würden die Fußball-Funktionäre wie Amtsträger behandelt. Die Sportwelt bräuchte sich nicht mehr auf die ohnehin wenig vertrauenswürdigen internen Untersuchungen verlassen. Derzeit beleuchtet die Fifa-Ethikkommission das Verhalten ihrer mittlerweile wegen des begründeten Verdachts der Käuflichkeit suspendierten Funktionäre Reynald Temarii und Amos Adamu .

Selbst der Fifa-Präsident Sepp Blatter ließ überraschend über eine Sprecherin ausrichten, eine solche Gesetzesänderung zu befürworten.

Nun ist also die Politik am Zug. Noch im Winter will die Präsidentin der Schweizer Ratskommission, Anita Thanei, einen Gesetzesvorschlag vorlegen. Ob die Initiative eine Mehrheit im Parlament finden wird, bleibt fraglich. Noch immer gibt es Schweizer Politiker, die es nicht für nötig halten, gegen die großen Organisationen vorzugehen. Schließlich sei deren Präsenz doch ein großer Imagegewinn für die Schweiz.

Ihr wohl wichtigstes Privileg darf die Fifa aber vorerst behalten. Der Verband muss keine Angst haben, auf seinen wenig gemeinnützig anmutenden Jahresgewinn in neunstelliger Höhe Steuern zahlen zu müssen. Erst im März 2010 scheiterte ein Schweizer Politiker mit einer entsprechenden Initiative, die Fifa-Gewinne aus Welt- oder Europameisterschaften künftig besteuern zu lassen. Der Antrag wurde mit 116 gegen 58 Stimmen abgelehnt.