Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022, die zumindest laut Plan am Donnerstag in Zürich stattfinden soll, steht im Schatten der Korruption. Der investigative und in Fifa-Kreisen seit Jahren gefürchtete BBC-Journalist Andrew Jennings hat am Montag Recherchen veröffentlicht, die drei aktuelle hohe Fifa-Mitglieder schwer belasten.

Ricardo Teixeira aus Brasilien, Nicolas Leoz aus Paraguay und zugleich Chef der südamerikanischen Konföderation Conmebol, und Issa Hayatou aus Kamerun, Präsident des afrikanischen Verbands CAF, haben sich in den Jahren 1989 bis 1999 mehrfach bestechen lassen, zum Teil mit Millionen von Dollar. Teixeira, Leoz und Hayatou sind drei von zweiundzwanzig Stimmberechtigten aus dem Exekutivkomitee, in dem auch Franz Beckenbauer sitzt. Das Exekutivkomitee entscheidet über die Vergabe der WM-Turniere.

Absender der Zahlungen war die Sportrechtefirma ISL, die im Jahr 2001 in die Insolvenz ging. ISL verteilte über Jahrzehnte hochdotierte Verträge mit Hilfe von Schmiergeld und Scheinfirmen. Ein Schweizer Gericht hatte in einem Prozess im Jahr 2008 für die Zeit von 1999 bis 2001 ISL-Zahlungen in Höhe von umgerechnet vierzehn Millionen Euro festgestellt. Empfänger waren hohe Sportfunktionäre, unter ihnen bereits Teixeira und Leoz. Gründer von ISL war der ehemalige Adidas-Chef Horst Dassler, der 1987 starb.

Jennings' Dokumentation zieht die Kreise nun weiter. Auf seiner Liste taucht erstmals auch der ehemalige Fifa-Präsident João Havelange als Empfänger auf. Zudem ist Olympia betroffen, denn Hayatou ist IOC-Mitglied. Auch der Senegalese Lamine Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbands IAAF und IOC-Mitglied, soll mitkassiert haben.

Die Fifa wird seit Monaten wegen der WM-Vergabepraxis kritisiert. Über Teixeira, den Chef des brasilianischen WM-OKs 2014, war in diesem Monat bekannt geworden, dass er an möglichen Gewinnen des lukrativen Turniers durch einen cleveren Vertrag privat enorm teilhaben könnte. Bereits im Oktober waren zwei Mitglieder der Fifa-Exekutive aus Nigeria und Tahiti einer Scheinofferte der Sunday Times auf den Leim gegangen und daraufhin suspendiert worden. 

Sylvia Schenk, die Sportbeauftragte der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International, fordert nun Aufklärung vom Weltfußballverband. Fifa-Präsident Joseph Blatter äußert sich zum Themen jedoch nicht konkret. Den Vorschlag, die WM-Vergabe angesichts der Vorwürfe zu verschieben, lehnt er bislang ab. Unbestätigten Gerüchten zufolge überlegen die Fifa-Verantwortlichen allerdings inzwischen, wenigstens die Vergabe der WM 2022 freiwillig zu verschieben. Justiz und Staatsanwalt können beim Vergabeverfahren nicht eingreifen. Da die Fifa ein Verein ist, gelten für sie andere, lockere Gesetze.

Weitere Links:

  • Eine Kurzversion der Jennings-Recherche bei der BBC
  • Der Journalist Jens Weinreich bloggt live aus Zürich und stellt wichtige Dokumente und Links zur Verfügung.
  • Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung kommentiert: "Übersteht Blatters Fifa auch diese Affäre ungeschoren, wird sie künftig alles überstehen."