Martina Müller, tagsüber Bürokauffrau danach Stürmerin, nennt ihr Leben einen riesigen Spagat. Wenn sie gemeinsam mit Deutschlands besten Fußballfrauen an diesem Donnerstag ihr letztes Länderspiel des Jahres bestreiten, nähert sich ein gnadenloses Auswahlverfahren dem Ende. Das große Ziel, die Weltmeisterschaft im eigenen Land, erfordert ein enorm hohes Engagement von den Spielerinnen. Alltag in der Bundesliga, Lehrgänge mit der Nationalelf und diverse Pflicht- und Testspiele: "Der Aufwand bei uns ist so groß wie bei den Männern. Aber ich habe immer im Kopf: Was ist denn, wenn ich verletzt aufhören muss? Was ist nach dem Fußball?", fragt Martina Müller.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Eine wie Martina Müller, Torjägerin im Nationalteam und für den VfL Wolfsburg, klagt im Vergleich zu Sportlerinnen aus anderen Sportarten auf hohem Niveau. Der Volkswagen-Konzern, bei dem die 30-Jährige in der Abteilung Mobilitäts-Service arbeitet, hält ihr finanziell und zeitlich weitestgehend den Rücken frei.

Die Mehrheit jener Damen, die um ihr Ticket für die WM 2011 kämpfen, dient als Sportsoldatin, um sich im Auftrag der Bundeswehr ganz auf Fußball konzentrieren zu können. Eine vergleichbare tragfähige Kombination aus Sport im Nationalteam und Job in der freien Wirtschaft ist im derzeitigen Kader der Frauenfußball-Nationalelf nicht bekannt.

Die Zahlen, mit denen Steffi Jones als Präsidentin des Organisationskomitees so gerne für die WM wirbt, klingen gewaltig. "Das gesamte Turnier hat ein Budget von 51 Millionen Euro, 350.000 Eintrittskarten sind schon verkauft", verkündet die frühere Nationalspielerin stolz. Doch die Größenordnung einer Veranstaltung, die in Anlehnung an die Männer-WM 2006 als feminines Sommermärchen inszeniert werden soll, sagt nichts über die Bezahlung der Hauptdarstellerinnen.

"Ich war auch vier Jahre lang Sportsoldatin. Aber große finanzielle Rücklagen waren in dieser Zeit nicht möglich", sagt Martina Müller, die als zweifache Weltmeisterin zu den erfolgreichsten Spielerinnen im Aufgebot des Deutschen Fußball Bundes zählt. Die Angreiferin hat sich damit arrangiert, dass Frauenfußball hierzulande im Aufwind, aber eben kein Berufsfeld ist.

Ihre Vereinskollegin Verena Faißt, für die Arbeit in der Defensive zuständig, kennt das Spiel. Zur Arbeit auf dem Fußballplatz kommt bei ihr noch ein Job am Schreibtisch. Die Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation ist für die 21-Jährige das eigentliche Standbein.