ZEIT ONLINE: Herr Slomka, Hannover 96 ist die Nummer eins im Norden und steht auf Platz vier – noch vor den großen Clubs HSV, Werder und Wolfsburg. Können Sie in der Stadt jetzt umsonst tanken?

Mirko Slomka: Es macht uns stolz, derzeit die Nummer eins im Norden zu sein. Es gibt aber nichts umsonst. Wie alle anderen hier in der Stadt müssen wir uns alles hart erarbeiten. Aber es stimmt: Die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung ist eine andere. Besonders angenehm ist es, dass wir von den Menschen vertrauensvoll unterstützt werden.

ZEIT ONLINE: Nach dem Pokal-Aus gegen den Viertligisten Elversberg sah das noch anders aus. Da beklagten Sie das Misstrauen gegen Ihre Person. Warum wandelt es sich in Hannover so schnell?

Slomka: Es hat die Leute verunsichert, dass wir im Pokal ausgeschieden sind. Für den Verein war das bitter, weil er finanziell auf diesen Wettbewerb angewiesen ist. Daraufhin haben sich die Kritiker im Umfeld zu Wort gemeldet, was in Hannover häufig vorkommt. Der Vertrauensvorschuss aus der vorherigen Saison war somit schnell aufgebraucht. Intern sah es anders aus. Die Verantwortlichen des Vereins und die Spieler haben die Kompetenz in der Teambetreuung durch das Trainerteam erkannt. Zum Glück haben wir gleich das erste Spiel in der Bundesliga gegen Frankfurt gewonnnen. Da hat sich die gute Saisonvorbereitung ausgezahlt, und wir haben in den letzten 20 Minuten den Gegner sogar dominiert. Das hat die Fans begeistert.

ZEIT ONLINE: Wie groß ist Ihr Verdienst daran, dass es so gut läuft?

Slomka: Der Trainer hat immer einen ordentlichen Anteil daran, dass die Arbeit funktioniert. Ich fordere diese Kompetenz auch von allen anderen Mitgliedern des Teams ein. Ich arbeite ohnehin teamorientiert, bin menschlich aber auch äußerst konsequent, wenn es um die Entscheidung geht.

ZEIT ONLINE: Eigentlich heißt es doch immer, der Slomka ist zu weich. Können Sie auch ordentlich dazwischen hauen oder eine flammende Rede halten?

Slomka: (lacht) Das gehört auch dazu.

ZEIT ONLINE: Sie haben vor Kurzem gesagt, 96 solle sich nicht klein reden, Platz 14 könne auf Dauer nicht der Anspruch sein. Wie formulieren sie jetzt die Zielsetzung?

Slomka: Ich habe damit gemeint, dass wir an unserem Selbstwertgefühl arbeiten sollen. Wir haben wie andere Clubs auch, immer die Chance, Spiele gegen namhafte Gegner zu gewinnen oder an Spieler heranzutreten, von denen man glaubt, dass sie nicht zu Hannover 96 wechseln würden. Ich habe mit Schalke 04 in der Bundesliga-Spitze und der Champions League gespielt. Davon sind wir hier, was die Vorraussetzungen betrifft, gar nicht so weit weg. Mit dem Manager und dem Präsidenten arbeite ich daran, dass wir ein Selbstverständnis dafür entwickeln, dass 96 ein richtig guter Bundesligaverein ist. Mit der Stadt, seinen Fans und dem Umfeld hat der Club einiges zu bieten.

ZEIT ONLINE: Sie wurden zu Beginn der Saison als erster Anwärter auf eine Entlassung gehandelt. Wie reagieren Sie auf so etwas?