Fußballprofis können ruhig schlafen. Sie müssen nicht damit rechnen, um halb sieben aus dem warmen Bett geklingelt zu werden, weil der Dopingkontrolleur vor der Tür steht und eine Probe haben will, und sie haben auch nichts gemein mit den 100 deutschen Sportlern, die sich nun organisiert haben, weil sie durch die strengen Meldeauflagen ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen. Fußball gehört nicht zur höchsten Meldekategorie, überraschende Kontrollen gibt es nur selten, und wenn, dann nur beim Training. Es werden nur Urinproben abgegeben, ihr für vernünftige Kontrollen relevanteres Blut behalten die Fußballer. Ihr Sport stellt eine eigene Kategorie bei Ansehen und Bedeutung dar.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. In Spanien wurden vor ein paar Tagen 14 Menschen in der "Operación Galgo" (Operation Windhund) vorläufig festgenommen, unter ihnen auch der Dopingarzt Eufemiano Fuentes. Er ist seit 2006 bekannt, aus der bisher größten und trotz vieler Beweise weitgehend folgenlosen Affäre "Operación Puerto" (Operation Bergpass). Er soll im Gefängnis laut seinen kurzzeitigen Zellengenossen damit geprahlt haben, dass Spanien "vielleicht weder den EM- noch den WM-Titel" im Fußball hätte, wenn er auspacke.

Sein Anwalt bezeichnete diese Darstellung als frei erfunden, trotzdem sorgte sie für großes Aufsehen. Schon bei der "Operación Puerto" hatten nicht nur die vielen Radprofis wie Jan Ullrich zu Fuentes’ Kunden gehört, sondern auch andere Sportler. Fuentes zog damals erste Äußerungen über involvierte Fußballer zurück, dem Journalisten Stéphane Mondard soll er gesagt haben, er könne vor Gericht einen Medikationsplan für Barcelona nicht bestätigen. Gegen den Fußball könne man nicht gewinnen, weil der zu mächtig sei, er sei auch mit dem Tode bedroht worden.

Der spanische Nationaltrainer Vicente del Bosque, konfrontiert mit der angeblichen Aussage von Fuentes, wies solche Verdächtigungen vehement zurück. Immerhin, möchte man sagen, denn die Zeiten, in denen darauf verwiesen wurde, dass Doping im Fußball nichts bringt, sind vorbei. Zwar ist Fußball keine klassische Kraft- und Ausdauersportart. Wer es nicht besser kann, schießt mangels Können oder Koordination an den Pfosten. Doch um vor den anderen da zu sein, wo der Ball hinkommt, kann etwa Blutdoping natürlich helfen, ebenso wie bei der Regeneration nach der Verlängerung im Pokal oder nach einer Verletzung.

Seit Toni Schumachers Buch Anpfiff aus dem Jahr 1987 kann man wissen, dass auch im deutschen Fußball gedopt wird. Paul Breitner, Jens Lehmann, Peter Neururer und andere haben von den alten Zeiten berichtet, in denen beispielsweise das Aufputschmittel Captagon in der Kabine herumgereicht wurde. Bei Juventus Turin ist systematisches Doping in den neunziger Jahren nachgewiesen worden.

Aber auch heute weichen Trainer, Spieler und Funktionäre instinktiv einen Meter zurück, wenn man das Thema nur generell anspricht. Das ist in anderen Sportarten, wo ein Problembewusstsein existiert, längst nicht mehr so. Der spanische Nationalspieler Xavi sagte zu den Vorwürfen: "Wir haben den Weltmeistertitel in der Gewissheit gewonnen, dass es im Fußball kein Doping gibt."