Viereinhalb Jahre nach der "Operación Puerto" im Radsport wird Spanien von einem neuen Dopingskandal erschüttert. Die Polizei nahm am Donnerstag 14 Verdächtige fest, darunter den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes. Auch Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Marta Domínguez, wurde verhaftet, wie das Innenministerium am späten Abend in Madrid mitteilte. Zu den Festgenommenen zählen Domínguez' Trainer César Pérez, ihr Manager José Alonso Valero, der Coach Manuel Pascua Piqueras, einer der erfolgreichsten Leichtathletik-Trainer des Landes, der Ex-Profi-Mountainbiker Alberto León sowie die Schwester des Mediziners Fuentes.

Zivilfahnder durchsuchten 15 Wohnungen auf dem spanischen Festland und in Las Palmas auf Gran Canaria. Im Haus von Domínguez im nordspanischen Palencia stellten die Beamten einen Laptop, einen Metallkoffer und einen Karton sicher. Der zuständige Ermittlungsrichter verhängte eine Informationssperre. Die Polizeiaktion trägt den Namen "Operación Galgo" (Operation Windhund). Eingeleitet wurde sie bereits im April.

Die 35-jährige Marta Domínguez, zugleich Vizepräsidentin des spanischen Leichtathletik-Verbandes, wird zudem vorgeworfen, andere Sportler mit verbotenen Substanzen versorgt zu haben, heißt es in Zeitungsberichten. Bei den Durchsuchungen seien Blutbeutel, Dopingmittel und Anabolika gefunden worden. Domínguez wurde im Laufe des Tages stundenlang von der Guardia Civil vernommen.

Domínguez gilt als das Aushängeschild der spanischen Leichtathletik. Sie ist Weltmeisterin über 3000 Meter Hindernis und war je zweimal Europameisterin und Vizeweltmeisterin über 5000 Meter. Vor einem Monat gab sie bekannt, dass sie ein Kind erwarte und sich vorübergehend vom Leistungssport zurückziehen werde. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wollte sie aber wieder an den Start gehen.

Der Leichtathletik-Verband rief dazu auf, Dopingsünder hart zu bestrafen. "Wir werden das ohne Rücksicht tun, wenn nachgewiesen wird, dass ein Sportler betrogen hat." Es müsse aber auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung gelten. Spaniens Sport-Staatssekretär Jaime Lissavetzky, der sich stets für "null Toleranz" beim Doping ausspricht, hielt sich jedoch zurück. "Solange die Ermittlungen noch laufen, kann ich zur Situation von Domínguez nichts sagen." Der Verdacht gegen die Läuferin ist der zweite schwere Schlag für die spanische Leichtathletik. Vor gut einem Jahr hatte die Polizei ein Dopingnetz ausgehoben, dem der Geher Paquillo Fernández angehörte. Der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2004 in Athen verbüßt derzeit seine Sperre.

Der Gynäkologe Fuentes stand bereits im Mittelpunkt des Skandals um die "Operación Puerto" im Jahr 2006. Damals waren mehr als fünfzig Radprofis, darunter Größen wie Jan Ullrich, Ivan Basso oder Alejandro Valverde, unter Dopingverdacht geraten. Das Trio bestritt die Vorwürfe. Ullrichs Karriere war damit jedoch beendet.

Bei dem Skandal hatte die Justiz Ermittlungen gegen Fuentes und sechs weitere Verdächtige eingeleitet. Es kam bis heute zu keiner Anklage, weil Doping damals in Spanien kein Straftatbestand war. Spanien brachte das den Ruf ein, es mit dem Kampf gegen Doping nicht ernst genug zu meinen. Im Dezember 2006 trat ein Anti-Doping-Gesetz in Kraft, nach dem Manager, Betreuer und Mediziner zu Haftstrafen verurteilt werden können.