Sergej will trinken, Bier mit einem Deutschen. "Denn die Arier sind ja unsere Freunde." Nach dem ersten Schluck lacht er betont laut, aber das stört in der Kellerkneipe im Moskauer Stadtzentrum niemanden. Auf einem Bildschirm läuft ein Eishockeyspiel von Spartak Moskau, die Lautsprecher sind voll aufgedreht. Wer interessiert sich da schon für drei Bier trinkende Männer? Auf das Interview lässt Sergej sich nur ein, weil er etwas über deutsche Hooligans erfahren möchte, und darüber, wie so die Regeln in der Bundesliga sind. "Stimmt es, dass man mit einer Jacke der Marke Thor Steinar dort nicht ins Stadion kommt?", will er wissen. Ja, das stimmt, weil das die bevorzugte Marke von Neonazis ist, die in Bundesligastadien unerwünscht sind.

Thor Steinar ist in der gesamten rechten Fußballszene Osteuropas beliebt, von Bratislava bis hierher. Auch in Moskau steht die Marke aus Brandenburg als politisches Statement. "Wir hier sind alle rechtsradikal", sagt Sergejs Freund, der nicht mal seinen Vornamen nennen will.
Vor drei Wochen waren etwa 5000 Fußballanhänger und Nationalisten auf den Manegeplatz in Sichtweise des Kremls gezogen um gegen die Ermordung eines Fans von Spartak Moskau durch einen jungen Mann aus dem Nordkaukasus zu protestieren. Aus der Demonstration wurde bald eine "nationalistische Hassveranstaltung" berichteten Beobachter. Die Menge skandierte "Russland den Russen, Moskau den Moskauern", zahlreiche Teilnehmer zeigten den Hitler-Gruß.

Anschließend wurde in den Metrostationen Jagd auf Menschen zentralasiatischen Aussehens gemacht. Dabei wurde ein Kirgise durch ein Messerstich getötet. Überall in Russland kommt es in diesen Tagen zu Auseinandersetzungen zwischen kaukasisch-stämmigen und russischen Jugendlichen, die sich oftmals aus dem Umfeld von Fußballclubs rekrutieren.

So wie diese beiden, die gemeinsam drei Tage lang überlegt haben, ob sie dieses Gespräch führen wollen. "Bei euch ist die Presse ja, sagen wir, speziell, weil die immer alles genau wissen will. So ist das doch bei euch Demokraten, oder? Für die zwei Hooligans von Dynamo Moskau ist Demokratie ein Schimpfwort. Über das Internet haben sie Kontakt mit Hooligans zu anderen Dynamo-Clubs aufgebaut, auch in Deutschland - zum Berliner FC Dynamo und Dynamo Dresden.

Wie Dynamo Dresden der Volkspolizei der DDR zugeordnet war, der BFC Dynamo bis zur Wende der Staatssicherheit, so war Dynamo Moskau dem sowjetischen Geheimdienst KGB untergeordnet. Auf diese Tradition sind die beiden stolz. "Demnach sollten wir auch mit Dynamo Kiew zusammengehen, aber zuletzt hat die Ukraine ihren Respekt vor Russland verloren", sagt Sergej.