Das Heft des Handelns war ihnen entglitten. Der Manager Dieter Hoeneß, von einer Grippe geschwächt, musste die nötigen Dinge aus der Ferne mit dem Handy delegieren. Gerd Voss, als Pressesprecher des VfL Wolfsburg der Mann für die Dementis, hielt im Trainingslager in Marbella tapfer die Stellung. Aber im Tauziehen um einen der derzeit begehrtesten Stürmer Europas hatten andere das Sagen.

"Wir sind uns einig", verriet Robert Mancini, der Trainer von Manchester City gestern. Dass Dzeko für 31 Millionen Euro in die Premiere League wechseln werde, gilt als beschlossene Sache. Die Verantwortlichen des VfL brachen erst wenige Minuten vor Mitternacht ihr Schweigen, bestätigten dann aber den Verlust ihres Stürmers.

Die letzten Ballberührungen von Dzeko, der angeblich wegen eines leichten Infektes nur bedingt am Training in der spanischen Sonne teilgenommen hatte, waren noch einmal ein Beleg für die Ohnmacht seines Arbeitgebers. Sie waren lustlos und fast provokant. Seit mehr als zwei Jahren kämpfen die Wolfsburger darum, dass ihnen ein außergewöhnlicher Torjäger nicht verloren geht. Aber die jüngsten Äußerungen des VfL-Trainers Steve McClaren ("Ein Spieler wie Edin Dzeko passt perfekt in die Premier League") kamen einer Kapitulation gleich.

Weil Manchester City sich bemüht, in dieser Saison Meister zu werden oder zumindest die Champions League zu erreichen, spielt in dem von einem Scheich finanzierten Club Geld nur eine untergeordnete Rolle. 31 Millionen Euro für einen Fußballer auszugeben, dürfte aus der Perspektive der Engländer ein gutes Geschäft sein. 65 Tore in dreieinhalb Bundesliga-Spielzeiten sind eine außergewöhnliche Referenz.

Doch die Frage, ob die Wolfsburger ihren Kapitän Dzeko überhaupt verkaufen mussten, wird den Verein noch eine Weile beschäftigen. Die Mannschaft steckt in einer schweren Krise.