Der Handball ist Vorreiter. Bisher gab es keine Sportart, in der korrupte Schiedsrichter noch während des Spiels ausgetauscht werden können. Im Handball ist das seit dem Sommer 2010 möglich. Nach den Statuten der Internationale Handball-Föderation (IHF) ist ein solcher Wechsel vorgesehen, wenn das Kampfgericht den Eindruck hat, dass die Referees die Partie manipulieren. Die Handball-Szene schüttelt den Kopf darüber. "So ein Schwachsinn", sagt Christian Schwarzer, ehemaliger Nationalspieler.

Die Regeländerung hat eine besondere Geschichte. Sie geht zurück auf einen Skandal, der sich im September 2007 an der Peripherie der Handballwelt ereignete: in der japanischen Autostadt Toyota. Zunächst kaum beachtet, stürzte dieser Fall die Sportart in die größte Krise ihrer gut 90-jährigen Geschichte. Denn der Betrug, der sich bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 abspielte, war so offenkundig, dass ein Wiederholungsspiel nötig war. Ein einmaliger Vorgang in der olympischen Geschichte, der auch den ägyptischen IHF-Präsidenten Hassan Moustafa in große Bedrängnis brachte.

Es ging um die Partie zwischen Kuwait und Südkorea. 28:20 gewannen die Kuwaiter, obwohl Südkorea der Favorit war. Das Spiel trug Züge einer Realsatire. Die jordanischen Schiedsrichter Alshobali/Hirzallach gaben sich keine Mühe, ihre Manipulationen zu verdecken. Ein Gutachter der IHF-Regelkommission notierte später, dass die Jordanier in 38 strittigen Szenen 38 Mal für Kuwait entschieden hatten.

Es gab dabei Szenen, die so radikal manipulativ gepfiffen wurden, dass sie unfreiwillig komisch waren: So kassierte ein Koreaner eine Zeitstrafe, weil ihm ein Gegenspieler ein Bein gestellt hatte. "Das war kein Handball mehr", klagte danach ein deprimierter Kyung-Shin Yoon, der zu dieser Zeit sein Geld beim Bundesligisten HSV Hamburg verdiente.

Dabei ging es nicht nur um ein verschobenes Handballspiel. Korruption im Asiatischen Handballverband (AHF) gehörte seit Jahren zum Alltag. Dominiert von kuwaitischen Funktionären, dienten die Schiedsrichter nicht als Regelhüter, sondern wurden gewissermaßen zu Dienstleistern umfunktioniert: Sie hatten die gewünschten Ergebnisse zu produzieren. Die Leidtragenden waren in aller Regel die Südkoreaner.

In der IHF-Zentrale in Basel war das lange bekannt. Deswegen hatte der damals tätige IHF-Geschäftsführer Frank Birkefeld angeordnet, dass die deutschen Schiedsrichter Lemme/Ullrich die heikle Auftaktpartie leiten sollten. Diese aber wurden kurzerhand wieder abgesetzt und sahen fassungslos von der Tribüne zu. "Ich habe noch nichts Schlimmeres gesehen. Das war beschämend", berichtete Lemme. Dass das deutsche Duo später wegen Korruptionsvorwürfen aus dem Verkehr gezogen wurde, zählt zu den skurrilen Nebenaspekten dieser Geschichte.