Den Nachruf durfte er selbst halten. "Es hat ideal gepasst, wie der Deckel auf den Topf", sagte Ralf Rangnick, eine "Edelsymbiose" sei es gewesen, eine "perfekte Konstellation". Rechts und links neben ihm saßen die Vereinsverantwortlichen der TSG Hoffenheim und machten dazu betretene Gesichter. Es war der vergangene Sonntag im Vereinsgebäude in Zuzenhausen, sie hatten sich gerade getrennt, Rangnick und die TSG Hoffenheim, nach zwei Aufstiegen und viereinhalb Jahren, was im Profifußball schon eine halbe Ewigkeit ist. Und weil ihre Verbindung so besonders war, musste schon mehr hinter dieser Trennung stecken als ein Zwist. Etwas Existenzielles, ein Konflikt zwischen Gut und Böse.

Der vermeintlich Böse allerdings fehlte an diesem Tag, Dietmar Hopp, Milliardär, Mitbegründer des Software-Unternehmens SAP. Derjenige, der den Hoffenheimer Fußballaufstieg erst ermöglichte. 170 Millionen Euro hat der 70-Jährige bislang in den Klub gesteckt. Aber nun tat er genau das Gegenteil dessen, wozu die Winterpause eigentlich gedacht ist in der Fußballbundesliga, in der trainiert und transferiert wird für die Rückrunde – Hopp schwächte die eigene Mannschaft.

Hinter dem Rücken des Trainers verkaufte er den besten Spieler, den Brasilianer Luiz Gustavo, an den FC Bayern München. Der Trainer war beleidigt und verließ den Verein daraufhin ebenfalls. Das große Geld, Hopp und der FC Bayern, hatten sich verbündet gegen die sportlichen Ambitionen eines gescheiten Fußballtrainers. So sah es aus. Ein neuer Beleg dafür, wie das Kapital die Fußballkultur zerstört?

Es gibt doch extra eine Regel, die den Fußball schützen soll vor dem Einfluss der Investoren. Sie steht in der Satzung des Ligaverbands, Paragraf 8, die sogenannte 50+1-Regel. Sie soll verhindern, dass Profiklubs von Investoren gelenkt werden. Ein Bundesligaverein muss stets die Mehrheit seiner Anteile halten. Hopp besitzt 49 Prozent.

Diese Regel soll die Bundesliga bewahren vor Entwicklungen wie in England, wo russische Ölmoguln, arabische Scheichs und amerikanische Unternehmer Klubs wie Spielzeuge an sich gerissen haben und mit ihnen nicht immer pfleglich umgehen.

Für Hopp gibt es kaum eine größere Beleidigung, als mit solchen Investoren verglichen zu werden.

Um den Fall Gustavo zu verstehen, muss man Dietmar Hopp verstehen und die Welt, in der er lebt. Diese Welt hat viele Orte. Der große Konferenzraum im Golfclub St. Leon-Rot gleich links nach dem Hauptportal ist einer davon, und er ist legendär. Hinten links in der Ecke steht ein Computer. Daneben ein Drucker. Es ist das "Büro" von Dietmar Hopp. Eines von vielen, die alle ähnlich spartanisch aussehen. Keines seiner Büros ist zu einer protzigen Kommandozentrale ausgebaut. Trotzdem zeigen sie beispielhaft seine Welt, überschaubar und pragmatisch. Den Knopf seines Computers drückt nur er allein.

Manche sagen, er dulde keinen Widerspruch. Wenn er sage, die Wand sei blau, dann sei das so. Auch, wenn sie eigentlich rot ist.

Der Platz in St. Leon gehört zu den besten in Europa. Tiger Woods war dreimal als Stargast hier. Dietmar Hopp kommt mit dem Auto aus Walldorf. Dort steht sein Wohnhaus. Er kennt Wege und Straßen. Hopp ist hier geboren und aufgewachsen. Die meisten seiner Treffen, ob mit Abgesandten seiner Unternehmensbeteiligungen oder Reportern, finden hier statt. In Südfrankreich, wo er auch lebt, ist er lieber allein. Nur besondere Gäste empfängt er dort. Franz Beckenbauer etwa. Auf einem Golfplatz, den Hopp selbst bauen ließ. Sein 1000 Quadratmeter großes Haus steht dort am Abschlag zu Loch eins. "Dann kann ich gleich los", hat er gesagt.

Vieles klingt entwaffnend praktisch, wenn Dietmar Hopp baut und erzählt. Stellt man sich so einen Milliardär vor, der als Förderer und Gönner seine Heimat geradezu freizügig an seinem Reichtum teilhaben lässt, Sportklubs kauft?