Tunesiens Handballnationalmannschaft spielt bei der Weltmeisterschaft in Schweden aufrichtig, aber erfolglos. Kein Wunder, haben die Spieler doch die Zukunft ihrer Heimat im Kopf, dort geschieht gerade eine Revolution. Der verhasste Diktator ist weg und die Spieler fragen sich: Wie geht es weiter mit meinem Land, mit meiner Familie, mit mir?

Und klar, die internationalen Pressevertreter in Schweden wollten das am Mittwoch nach dem Spiel gegen Ägypten auch wissen: Wie fühlen sich die Spieler, so weit weg von den dramatischen Ereignissen? Das liegt auf der Hand, Ergebnisse sind für die Tunesier derzeit nebensächlich. Welch ein guter Zufall, dass man in Schweden ist, sollte man denken, ein sozialer und gerechter Staat, dessen Einsatz für Menschenrechte und Meinungsfreiheit auch international vorbildlich ist.

Doch der schwedische Gesprächsleiter der Presserunde würgte nähere Erkundigungen gleich ab: "Bitte nur Fragen zum Spiel, nur Fragen zum Sport." Pech gehabt, über die wirklich interessanten Themen durfte in dieser Runde nicht gesprochen werden. Nun wissen wir nicht, ob der schwedische Handballfunktionär intellektuell überfordert war mit der weltpolitischen Dimension der Fragen, oder ob er vielleicht einfach nur schlecht drauf war an diesem Tag.

Doch das Verhalten des Funktionärs spiegelt leider auch eine Mentalität wieder, die sich besonders in den größeren und finanzstarken Sportverbänden schon seit langem breitgemacht hat. Eine Mentalität, die die tunesischen Spieler an die Filzdiktatur in ihrer Heimat erinnern dürfte.

Das Verbandssystem lebt stark vom Kaufen von Gefälligkeiten. Das hat es mit den Autokratien gemein. In demokratischen Systemen passiert so etwas natürlich auch, aber dort können jene, die den Bogen überspannen, meist irgendwann abgewählt werden. Und dort kann auch frei über Politik gesprochen werden.

Die Verbandsmentalität hat viel mit Intransparenz, Filz und Korruption zu tun. Und im Fall des Welthandballverbandes IHF ist es offenbar der Chef selbst, der eine solche Mentalität vertritt und vorlebt. Er heißt Hassan Moustafa und die Liste seiner Skandale ist lang . Juristisch verbrieft ist beispielsweise, dass der IHF-Präsident 2007 als Gegenleistung für seinen Gönner, den kuwaitischen Scheich Ahmed Al Sabah, in eine Schiedsrichtermanipulation verwickelt war.