Gratulation, Borussia Dortmund! Nicht zur Meisterschaft, bis zum Vollzug wollen wir damit warten. Gratulation zum Meisterstück, dem Sieg von München! So attraktiv, so selbstbewusst und selbstverständlich hat mindestens seit sieben Jahren (Werder Bremen) keine deutsche Mannschaft mehr in Bayern gewonnen. Und das, obwohl der Meister in Bestbesetzung, gestärkt durch einen Erfolg beim Champions-League-Sieger Inter Mailand antrat, und die Bayern-Führung das Spiel zum Image-Duell aufgewertet hatte.

Es war auch der Kampf zweier Fußballmodelle: München hält geduldig den Ball und verlegt das Spiel in die Breite, Dortmund stürmt nach Ballgewinn so schnell wie möglich nach vorne. Am Samstag sah das Modell der Bayern, mit dem sie im Vorjahr bis ins Europapokalfinale vorstießen, deutlich älter aus. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Philipp Lahm haben eine Antwort auf ihre Frage erhalten, wer in diesem Jahr der beste deutsche Verein ist.

Gewonnen hat eine extrem junge Mannschaft, gewonnen hat eine extrem reife Mannschaft. Kevin Großkreutz, 22, und Mario Götze, 18, im offensiven Mittelfeld sowie Sven Bender, 21, und Nuri Sahin, 22, im defensiven, sind nicht nur junge Wilde. Sie verteidigen auch engagiert und klug, Bayerns Star Robben verfing sich immer in ihrem Netz.

Als besonders repräsentativ für das selbstlos anmutende Dortmunder Miteinander steht der Stürmer Lucas Barrios. Gerade im Vergleich mit seinem Gegenüber Mario Gomez bindet er sich vorzüglich in die BVB-Elf ein, sowohl ins Kombinationsspiel als auch in die Balljagd. Wenn Torjäger verteidigen, stimmt es im Team.

Angeleitet wird das Kollektiv von Jürgen Klopp, der in dieser Saison einen rasanten Aufstieg erlebt. Vor Kurzem stand der Mainzer "Motivator" und kumpelhafte Fernsehexperte noch im Verruf, kein taktischer Detailarbeiter, kein Titeltrainer zu sein. Welch Irrtum!

Seine Jungs zum Rennen bringen, das kann er nach wie vor. Nun hat er seinem Team zudem eine Handschrift verpasst, wie es lange keinem deutschen Klubtrainer mehr gelungen ist. Die Borussia hat Spielzüge verinnerlicht. Zum Beispiel hat es Methode, dass sie bei jedem Angriff bestrebt ist, drei Spieler an festgelegte Stellen des Strafraums zu schicken, also dorthin, wo im Fußball die Tore geschossen werden. Das ist das Schöne an Klopp, er hat eine Spielidee, und es ist eine offensive.

Auch Flexibilität hat der Dortmunder Trainer seiner Mannschaft beigebracht: Zuhause und gegen weniger spielstarke Gegner verzögert sie ihr Angreifen durch erhöhten Ballbesitz und verlagert es in die Breite; die zwei Außenverteidiger agieren "höher", also näher am gegnerischen Tor. Auswärts und gegen Spitzenteams setzt Klopp auf Konterattacken, was der Mannschaft noch besser liegt. Elf Siege in dreizehn Versuchen, das ist, obwohl noch vier Auswärtsreisen anstehen, schon jetzt Bundesligarekord. Vermutlich wird es nicht der einzige in dieser Saison bleiben.